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Categories: Autoren, Ingo Kuhn, News

Einleitung

Ein perfekter Pfeilflug mit einer Jagdspitze ist keine Magie. Bogenjäger trainieren in der Regel mit einer Feldspitze und erzielen damit äusserst präzise und konstante Treffergruppen. In Vorbereitung auf die Bogenjagd ist es jedoch erforderlich, die Treffpunktlage mit einer Jagdspitze zu überprüfen. Wir behandeln hier ausschliesslich sogenannte „fixed Blades“, also feststehende Jagdspitzen. Aufgrund unterschiedlicher Flugeigenschaften kommt es mitunter zu Abweichungen im Vergleich zu den Feldspitzen. Die Ursachen auszuloten und die Präzision auf ein Höchstmass zu bringen ist das Wichtigste.

perfect flight

Der folgende Artikel behandelt daher das „Tunen“ der Jagdspitzen, auch Broadheads (BH) genannt, im Zusammenspiel mit dem passenden Jagdpfeil und Compoundbogen. Es können hier nicht sämtliche Möglichkeiten, die beim Tunen auftreten können, behandelt werden. Daher schildere ich den Standardablauf. Das Ziel ist es, einen extrem konstanten Pfeilflug mit der Jagdspitze zu erreichen. Bei höchster Präzision und Penetration.

Das Tunen von Pfeil und Bogen kann kompliziert sein, da es eine Menge zu beachten gibt. Wer versucht hat, eine feststehende Jagdspitze auf einem Jagdpfeil abzustimmen, weiß, was ich meine. Wenn man sich aber Zeit nimmt, gut abgestimmte Komponenten auswählt sowie die Setup-, und Tuningprinzipien versteht, ist es weit weniger anspruchsvoll als es scheint. Jedes aerodynamische Element an der Jagdspitze, sowohl Unwuchten als auch inkorrekter Rundlauf führen zu Abweichungen beim Pfeilflug. Das war auch der Grund für die Entwicklung mechanischer Jagdspitzen. Diese „mechanicals“ haben viel weniger Beeinflussung durch windanfällige Flügel an der Spitze, der Pfeil ist leichter abzustimmen; mit allen durch die Bauart bedingten Vor- und Nachteilen. Man sollte also versuchen, den klingenbewährten Pfeil nach gewissen Tuningmethoden zu behandeln. Das erklärte Ziel ist, die gleiche Trefferlage von Feldspitzen und Jagdspitzen, ambitioniert aber erreichbar! Hier nun der Fahrplan:

Vorbereitung des Jagdpfeils

  • sorgfältige Auswahl nach der Art der zu bejagenden Wildart (z.B. Gewicht, Penetrationsverhalten, Material…)
  • korrekte Selektion nach dem Spinewert anhand der Herstellervorgaben (Spinecharts). Bei Jagdpfeilen eher Richtung harter Spine
  • Kontrolle von FOC (Schwerpunkt des Pfeils) 10-15 Prozent mindestens, bei stärkerem Wild mehr empfohlen

  • exakte Montage des Inserts o. Outserts sowie des Nocks
  • Rundlauf mit montierter Jagdspitze überprüfen – Wobbling

Rundlauftest der Jagdspitze mit beschichtetem Karton

Vorbereitung zum Tuning

  • Setup des Bogens mit allen Anbauteilen die später auch zur Jagd verwendet werden (z.B. Anbauköcher, Stabilisator)
  • Überprüfen des Tillers
  • Überprüfen des Cam-Timings und Cam-Leans
  • Einstellen der Pfeilauflage (PA) so, dass der Pfeil durch das theoretische Center geht (Centershot)
  • Nockpunkt setzen und Loop installieren (bei einem neuen Bogen)
  • Pudertest – um einen kontaktlosen Flug des Pfeiles zu überprüfen

Tuning des Jagdpfeils

  • 1. Papiertest: a) Methode um anhand des Rissbildes zu erkennen wie schnell sich der Pfeil stabilisiert; b) abhängig von einer konstanten Schießform!
  • 2. Blankschafttest und Lineshooting (Niemals einen Blankschaft mit Jagdspitze schießen!)
  • 3. Broadheadtuning

Je sorgfältiger die Tuningmaßnahmen im Vorfeld ausgeführt wurden und je präziser man bei der Herstellung der Pfeile gearbeitet hat, umso exakter werden auch die jagdklingenbewährten Pfeile fliegen. Schieße eine Gruppe von Pfeilen mit Feldspitzen, welche natürlich das gleiche Gewicht wie die nachfolgenden Jagdspitzen haben. Nach Möglichkeit sollte ein jagdspitzentaugliches Ziel entsprechender Größe benutzt werden.

  • Entfernung 20-30 Meter
  • 5-6 Pfeile in eine aussagefähige Gruppe platzieren

mit perfekten Pfeilen kann präzise getroffen werden

Benutze die gleichen Pfeile nun mit einer Jagdspitze bestückt und schieße auf den gleichen Zielpunkt wie mit den Feldspitzen. Manche bevorzugen die klingenbewährten Pfeile einzeln nacheinander zu schießen, um nicht, bei zu guter Trefferlage, den vorangegangenen Pfeil zu zerstören. Eine weitere Möglichkeit ist, sich verschiedene Zielpunkte auf der selben Höhe zu markieren. Diese Gruppe ist der Schlüssel für weitere Korrekturen zur FS-Gruppe. Je nachdem, wo die BH-Gruppe liegt, sind Einstellungen am Bogen oder auch Änderungen am Pfeil durchzuführen.

  • alle Veränderungen sind im sehr geringen Maße vorzunehmen
  • bei horizontalen Abweichungen sind Links-Rechts-Korrekturen der PA nötig

Nachfolgende Erläuterungen gelten für Rechtshand-Schützen und sind bei Linkshand-Schützen gespiegelt:

Schaft ist zu steif oder die PA sitzt zu weit links

sitzt die Broadheadgruppe z.B. links von der FS-Gruppe = Schaft ist zu steif

Lösung:

  • erhöhe das Zuggewicht

  • erhöhe das Jagdspitzengewicht

  • verstelle die PA in Richtung der FS-Gruppe (zum Bogen hin) in 0,5 mm Schritten

Schaft ist zu weich oder die PA sitzt zu weit rechts

sitzt die BH-Gruppe zu weit rechts der FS-Gruppe = Schaft ist zu weich

Lösung:

  • verringere das Zuggewicht

  • verringere das BH-Gewicht

  • verstelle die PA in Richtung der FS-Gruppe (vom Bogen weg) in 0,5 mm Schritten Bei manchen Bögen (mit Y-Kabel) lassen sich durch minimale Veränderung des Cam-Lean‘s ähnliche Veränderungen erzielen.

  • sitzt die BH-Gruppe über der FS-Gruppe = Nockpunkt nach oben bewegen

  • sitzt die BH-Gruppe unter der FS-Gruppe = Nockpunkt nach unten bewegen

Nachdem all diese Tuningaktivitäten in der richtigen Reihenfolge durchgeführt worden sind, sollte der Jagdpfeil nun mit der gleichen Präzision und Wiederholbarkeit im anvisierten Ziel ankommen wie die Feldspitze. Das Wissen um die Zusammenhänge und die Erprobung des Pfeilflugs gibt dem verantwortungsvollen Bogenjäger die Sicherheit, einen waidgerechten Schuss auf Wild abgeben zu können, und das ist das Mindeste, was verlangt werden sollte.