Testreport

LEICA RANGEMASTER CRF 1000-R

Anfang 2013 stellte das mittelhessische Traditionsunternehmen LEICA die neue Version des CRF01Laser Entfernungsmesser RANGEMASTER CRF 1000-R vor. Der kleine Bruder des CRF 1600-B verfügt nun über ein Ballistikprogramm, welches bei Schüssen bergauf und bergab den entsprechenden Neigungswinkel berücksichtigt und die Entfernung gemäß der Visiereinstellung für einen Schuss in der Ebene korrigiert. Da der komplette Messbereich von 1000yards/915Meter CRF 1000nicht mehr unter der Rubrik „jagdlicher Schuss“ fällt, beschränkt sich das Ballistikprogramm auf eine Maximalentfernung von 600yards/550Meter. Darüber hinaus wird die ebenengleiche Entfernung angezeigt.

 

 

Hier die technischen Daten des Testgeräts lt. Hersteller:

TD LEICA

Um einen direkten Vergleich ziehen zu können, habe ich einen LEUPOLD RX-1000i TBR DNA und mein mittlerweile 10 Jahre altes Schlachtross NIKON 400 zu den Testmessungen hinzugezogen. Ein direkter Vergleich ist hierbei natürlich schwierig. Leupold DNADas Spitzenmodell aus dem Hause LEUPOLD enthält eine ganze Reihe von ballistischen Programmen und Funktionen wie Milliradians und MOA-Korrekturen wie sie nur von Gewehrschützen mit entsprechender Optik genutzt werden können. Für einen Funktionsvergleich der Ballistikprogramme wäre nur der LEICA CRF 1600-B ein gleichwertiger Gegner gewesen, also habe ich mich beim LEUPOLD auf das Programm „Bow“ begrenzt. Schließlich wollte ich ja auch nur die bogenjagdrelevanten Einsatzmöglichkeiten testen.
Nikon closeDer NIKON 400 ist ein einfacher Geselle. Als erster Serien-Rangefinder in dieser kompakten Bauform tut er seit 2003 in meinem Jagdgepäck tapfer seinen Dienst und war bereits an vielen Jagderfolgen entscheidend beteiligt. Ein Ballistikprogramm kennt er jedoch genauso wenig wie ein beleuchtetes Absehen.

Die Optik
Wer im Bereich Abbildungsleistung die Nase vorn haben würde, war eigentlich auch schon vor dem Vergleich keine Frage. Der LEICA CRF ist hierbei eine Klasse für sich. Das helle, natürliche Bild und das große Sehfeld von 115m auf 1000m (wohlgemerkt für ein Monokular!) der 7x24 Optik überzeugten auf ganzer Linie.
Würde da nicht der räumliche Eindruck fehlen, den man eben nur mit beiden Augen erlangt, könnte man beinahe für eine Pirsch bei gutem Tageslicht das Fernglas auch mal im Schrank lassen. Der LEUPOLD war mit seiner 6x22 Optik nicht wirklich viel schlechter, jedoch wirkte das Bild leicht blaustichig und weniger natürlich. Zudem war das Sehfeld mit nur 98m auf 1000m merklich kleiner.
Die 8x22 Optik des alten NIKON stand zwar erstaunlicherweise dem LEICA in der Größe des Sehfelds nicht deutlich nach, jedoch merkte man spätestens bei der Bildhelligkeit das Alter des NIKON. Eine 6-fache Vergrößerung hätte dem NIKON 400 eindeutig besser gestanden. Bei gutem Tageslicht noch akzeptabel, versagt die Optik sehr schnell innerhalb der Dämmerung. Die aktuellen NIKON-Modelle können das deutlich besser.

Das Display
Ein nettes Feature vorweg: Die Display-Helligkeit des LEICA-Geräts passt sich dem Umgebungslicht automatisch an. Die rote Anzeige erinnert sehr an Reflexvisiere, die ihre Informationen bzw. den Zielpunkt auf eine Linse spiegeln. Ein Zuviel an Information kann man dem LEICA CRF 1000-R nun wirklich nicht vorwerfen. Das kleine Quadrat, welches zum Anvisieren des Zieles dient und die Entfernungsangabe als Zahl ohne Einheit. Das war’s. Der Anwender, wahrscheinlich ohnehin schon im Jagdfieber, kann sich also auf das Wesentliche, die Beute, konzentrieren. Ob man nun gerade in Yards oder Metern misst oder welcher Neigungswinkel gerade vorherrscht, muss man über eine Tastenkombination aus Haupt- und Nebentaste herausfinden.
Der LEUPOLD geht da eher schon in Richtung „Mäusekino“. Entfernung mit Einheit, Schusswinkel, Programm-Modus und Batteriestand werden gleichzeitig per OLED-Display in Richtung des Benutzers geschickt. Das orange-rote Display ist in drei Helligkeitsstufen einstellbar. Die etwas altbackene LCD-Anzeige des NIKON hat ihre Vor- und Nachteile. Bei schlechtem Licht und dunklen Zielen ist sie teilweise schwer ablesbar. Dasselbe gilt für die beleuchteten Displays bei Sonneneinstrahlung schräg von vorn. Zeigt hier hingegen die dunkle LCD-Anzeige keine Schwächen, würde man sich für die zwei Top-Modelle so etwas wie eine Gegenlichtblende wünschen.

Die Bedienung
Nun könnte man mutmaßen, dass es ein wenig nervig ist, beim LEICA ständig zu kontrollieren, in welcher Einheit man gerade misst oder ob die Ballistikfunktion aktiviert ist oder nicht. Generell ist es jedoch so gut wie auszuschließen, dass sich diese Modi unbeabsichtigt verstellen. Es dürfte eine Frage des persönlichen Geschmacks sein, ob man ständig eine komplette Übersicht haben möchte wie beim Leupold oder nicht. Beim Druck auf die Haupttaste des LEICA-Geräts erfolgen die Messung und die Anzeige der Entfernung, während ein Druck auf die Nebentaste den aktuellen Neigungswinkel anzeigt. Sehr angenehm ist die Augenmuschel des LEICA. Diese fällt beim Leupold deutlich kürzer aus bzw. ist bei dem alten NIKON gar nicht vorhanden. Den Dioptrienausgleich musste ich beim LEICA-Testgerät auf minus 2 dpt. justieren, um ein wirklich scharfes Bild zu bekommen, obwohl ich kein Brillenträger bin und alle meine Jagdoptiken auf 0 dpt. eingestellt sind. Nach Rücksprache mit der Fa. LEICA ist dies vermutlich ein Fehler des Testgeräts, da es sich noch um ein Vorserienmodell handelt.
Ist die Ballistikfunktion aktiviert, so wird auch bei Winkelmessungen zunächst die echte Entfernung angezeigt. Ca. 1,5 Sekunden später folgt sodann die korrigierte Entfernung. Ist das Gerät zu einer erneuten Messung bereit (nach ca. 2 Sekunden), erscheint oberhalb der Anzeige auch wieder das Quadrat zum Anvisieren. Wie fast alle Laser-Entfernungsmesser heutzutage verfügt auch der LEICA CRF über einen Scan-Modus, der beim Messen von beweglichen Zielen in Abständen von wenigen Sekunden die aktuelle Entfernung anzeigt, wenn man die Haupttaste gedrückt hält. Diese Option ermöglicht auch das Messen von mehreren Objekten innerhalb eines Messvorgangs.

Die Messung
Vorweg: Die Fotos durch die Optik musste ich freihändig aufnehmen, da es Nikon Stativfür diese kleinen Geräte kein Digiscope-Adapter gibt. Auftretende Verschattungen am Rand sind also der „Handarbeit“ geschuldet und kein Fehler der Optik. Generell stellen sich die Displays dem Benutzer heller dar, als es die Fotos suggerieren. Ebenso können die Fotos die echte Abbildungsleistung der Optiken nur unzureichend darstellen.
TestflaechenGemäß dem bogenjagdspezifischen Anwendungsgebiet, habe ich mich zunächst auf eine Entfernung von 50 Metern beschränkt. Als Zielobjekte mussten je ein dunkles und ein helles Tierfell (Nyala und Springbock) sowie eine Warnweste (maximale Reflexionsfähigkeit) herhalten. Die Entfernungsmesser wurden nacheinander auf einem Stativ montiert. Da keines der Geräte über ein entsprechendes Gewinde verfügt, habe ich sie mit ablösbarer Haftmasse aus dem Fotostudio-Bedarf fixiert. Das Wetter an diesem Tag war wechselhaft, heiter bis wolkig.

Die Messreihen verliefen problemlos, bis auf eine kleine Ausnahme. Bei Sonnenschein hatte die Messelektronik des LEICA-Geräts Schwierigkeiten, die genaue Entfernung zur der Weste zu bestimmen. Obwohl die exakte Entfernung irgendwo zwischen 49,5 und 50 Metern lag, lieferte das LEICA Werte zwischen 63 und 106 Metern.
Auch hierzu hielt ich Rücksprache mit dem Hersteller. Man ließ mich wissen, dass es unterhalb von 80 Metern Distanz bei extremen Reflektoren wie z.B. Verkehrsschildern, Reflektorstreifen etc. zu solchen Fehlmessungen kommen kann. Bei „natürlichen Zielen“ wie Wildtieren könne dies jedoch nicht passieren. In der Tat hatte ich auf die Antilopen-Decken nie eine Fehlmessung und bei einer Kontrolle auf 100 Meter waren auch die Probleme mit der signalroten Weste passé.
Leica NyalaLeica WesteLeica Springbock

 

 

 

 

 Leupold NyalaLeupold WesteLeupold Springbock

Nikon NyalaNikon WesteNikon Springbock

 

 

 

 

 

 Von einem kleinen Hügel aus konnte ich sodann eine Messreihe mit WinkelmessungNeigungswinkel durchführen. Das LEICA- und das LEUPOLD-Gerät konnten hier ihre Stärken ausspielen. Auf dem Foto ist deutlich das größere Sehfeld des LEICA CRF 1000-R gegenüber dem Leupold zu erkennen. Links oben die Messung vom Leupold. Rechts oben die tatsächliche Distanz, gemessen vom LEICA. Links unten, das LEICA-Gerät schaltet auf die korrigierte Entfernung um. Rechts unten erfolgt die Winkelmessung durch die Nebentaste des LEICA CRF 1000-R.

Die Grenzen der Messtechnik
Hiermit ist allerdings weniger die Reichweite als vielmehr die Art des Ziels gemeint. Doch dazu gleich.
So manch ein Bogenjäger wird sich fragen „Was soll ich mit knapp einem Kilometer an Reichweite, wenn ich doch ohnehin nicht über 40 Meter schieße?“
Nun, man kann den Nutzungsbereich eines Entfernungsmessers auch als Bogenjäger erweitern. Bei einer Pirsch durch die Hügellandschaften der „Kleinen Karoo“ in Südafrika konnte man beispielsweise ziehende Antilopen auf einige hundert Meter Entfernung messen und anhand ihrer ungefähren Schrittgeschwindigkeit mit der Formel für das Vorhaltemaß beim Büchsenschuss errechnen (Drückjagdspezialisten machen das im Kopf), wie viel Zeit dem Jäger bleibt, um das Rudel ein oder zwei Hügel weiter „abzufangen“. Eine entsprechend gute Kenntnis des Terrains und der Wildwechsel ist natürlich Voraussetzung.
Die Grenzen der Messtechnik moderner Laserentfernungsmesser liegen vor allem beim anvisierten Ziel. Wenn auch jagdlich eher weniger relevant, sind es vor allem schräge Flächen, sei es auch nur das Dach des Nachbarhauses, die so manches Hi-Tech-Gerät kapitulieren lassen. Da ging es dem LEICA nicht besser als dem LEUPOLD. Komischerweise zeigt der alte NIKON 400 hier keinerlei Schwächen. Das Gerät misst einfach alles und das auch noch korrekt, wenn auch nur bis ca. 400 Meter.

Wie viel Ballistikprogramm braucht der Bogenjäger?
Persönlich halte ich die Winkelmessung und die Korrektur der Entfernung für eine sinnvolle Zusatzoption, aber keine unbedingte Notwendigkeit. Der Grund liegt in den eher geringen Schussdistanzen des Bogenjägers und infolgedessen in den somit meist ebenso geringen Korrekturwerten. Steilschüsse müssen ohnehin trainiert werden und der Bogenjäger muss sich mit seinem Equipment auskennen. Das Ballistikprogramm kann sodann ein letztes Quäntchen an Sicherheit bieten.

Fazit
Wer sich dazu entscheidet, die EUR 580 für einen LEICA CRF 1000-R auf den Tresen des Jagdausstatters zu blättern, kann sich sicher sein, dass er ein absolutes Spitzengerät erworben hat. Gibt es auch Laserentfernungsmesser schon für deutlich unter EUR 200, so genügt doch schon der erste vergleichende Blick durch die Optik, um zu erkennen, wo hier die Hauptunterschiede in Preis und Qualität liegen. Die einfache, intuitive Bedienung ist ein weiterer Pluspunkt. Der Korpus aus Magnesium und kohlefaserverstärktem Kunststoff, sowie die Wasserdichtigkeit bis 1 Meter lassen erwarten, dass dieses Gerät auch einen härteren Einsatz klaglos wegsteckt.

bogenjagdpraxis.de bedankt sich ausdrücklich bei Herrn Agel von der LEICA CAMERA AG für das zur Verfügung gestellte Testgerät und den Support.

MG


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