Im Kurztest:

Der Bow Rattler

Es ist noch keine 10 Jahre her, da erweckte ein Zubehörteil namens S.T.S. (Shock Terminator Suppressor) sämtliche Compoundbogen-Hersteller aus einer Art Dornröschenschlaf. Obwohl die Idee bereits in den 1970er Jahren beim Bear Delta-V zu finden war, hielt es jahrzehntelang kein Hersteller für nötig, die Sehne nach dem Schuss am Durchschwingen zu hindern und ihre Oszillation möglichst schnell abzubauen. Die Compoundbögen wurden schneller und leichter. Vibrationen nach dem Schuss im Mittelteil nervte so manchen Bogenschützen und -jäger gewaltig. Der S.T.S. schaffte da sehr oft Abhilfe oder zumindest Linderung. Mittlerweile gibt es zahlreiche Nachahmer dieses Bauteils. Aber auch die Hersteller selbst liefern kaum noch Compoundbögen ohne Sehnenstopper aus. Letztere funktionieren mal gut, mal weniger gut, weshalb viele Bogenbesitzer immernoch auf die Stringstopper aus dem Aftermarket-Bereich setzen. Einer bekanntesten und beliebtesten ist der Bow Rattler der Firma Falcon Products aus Kalifornien, USA.

BR 01Ich hatte mir diesen Bow Rattler extra für meinen Bowtech Insanity CPXL bestellt. In den einschlägigen Internetforen war desöfteren davon zu lesen, dass der Bow Rattler seine Dienste deutlich besser erfüllt als der Serienstopper des Bowtechs. Leider dauerte der Versand fast drei Monate mit USPS "First Class". Doch das nur am Rande.

Diesen Sehnenstopper gibt es in verschiedenen Ausführungen. Speziell zugeschnitten für einige wenige Compoundbögen oder auch als universell einsetzbares Standardmodell. Bei der Bestellung eines Rattlers sollte man die Standhöhe des Bogens mit angeben. Verschiedene Farben sind auch möglich. Beim Insanity wird der Rattler einfach mit dem auf 9,5mm abgedrehten Zapfen in das Mittelteil gesteckt und mittels Gewindestift gesichert. Der Hauptkorpus besteht aus einer Aluminiumhülse mit 16mm Durchmesser und 9,6mm Bohrung für die verstellbare Aluminiumstange. BR 02Letztere hat den üblichen 3/8"-Durchmesser (9,5mm) eines Kabelabweisers. Der Verstellbereich beträgt knapp 40mm und ist somit mehr als ausreichend. Die Stange wird über zwei, sich gegenüberliegende Gewindestifte gesichert. Der passende 3/32"-Innensechskantschlüssel wird mitgeliefert. Ein eingefräster Schlitz in der Stange und eine Verstiftung seitens der Hülse verhindern, dass die Stange zu weit herausgezogen werden kann. Der Gummistopper macht einen guten Eindruck. Subjektiv ist er etwas weicher als die meisten Serienstopper, jedoch nicht so nachgiebig, dass nach dem Schießbetrieb ein baldiger Ersatz notwendig würde.

Im Einsatz:
Die Einstellung erfolgte mit knapp 1mm Abstand zur Sehne gemäß den Herstellervorgaben. Vorweg muss ich gestehen, dass meine Werkstatt zwar recht gut ausgestattet ist, leider aber keinen Beschleunigungssensor mit entsprechender Software beherbergt, so dass dieser Kurztest nur rein subjektiv durchgeführt werden konnte. Die Vibrationen des Insanity CPXL waren schon mit dem Serienstopper kaum spürbar. Sicherlich auch wegen des knapp 48 Gramm schweren Jagdpfeils (Ratio Pfeil- / Zuggewicht 9,2grains/lb.). Mit dem montierten Bow Rattler konnte ich also bestenfalls eine marginale Verbesserung spüren. Deutlicher wurde dies allerdings bei 36 Gramm Pfeilgewicht (Ratio 6,9grains/lb.), sodass man dem Bow Rattler eindeutig eine Wirkung attestieren kann, selbst wenn hier reproduzierbare Messergebnisse fehlen. Betrachtet man die Geräuschemission, so brachte der Bow Rattler  über das Mittel von 5 Schüssen
eine Reduktion von 1,5dBA beim schweren, bzw. 2,6dBA beim leichteren Pfeil. Hier muss man jedoch so ehrlich sein, dass dieser Test keine echte Laborbedingungen (schallisolierte Prüfkammer) bieten konnte. Auch der verwendete Schalldruckpegelmesser gehört mit einem Anschaffungspreis im niedrigen, dreistelligen Euro-Bereich sicherlich nicht zu den Geräten, die "bei Gericht" anerkannt würden. Wichtiger als die absoluten Zahlenwerte, sind aber die eindeutig reproduzierbaren Veränderungen in die eine oder die andere Richtung. Hierbei muss man dem Bow Rattler ganz klar attestieren, dass er wirklich gut funktioniert.

Verbesserungswürdig:
BR rawNach der Demontage des Gummistoppers offenbarte sich eine
BR finsh unschöne, weil unbehandelte Sägekante. Dadurch wird die Innenseite des Gummis bei jedem Schuss gegen eine leicht schräge und scharfkantige Fläche beschleunigt, was mit Sicherheit die Lebensdauer des Gummistoppers reduzieren dürfte. Leider trifft man bei fast jedem Zubehörteil aus dem Bogensport- oder Bogenjagdbereich auf irgendeine, lieblos hinterlassene Baustelle, auch wenn die Grundidee des Produkt eigentlich sehr gut ist. Wohl dem, der eine Drehmaschine im Zugriff hat. Etwas sorgfältige Arbeit mit der Schlichtfeile kann das Problem in diesem Fall jedoch auch beheben.

 

Bewertung:

Positiv:
+ Solide Grundkonstruktion
+ Einfache, stufenlose Verstellbarkeit
+ Nachweislich gute Wirkung hinsichtlich des Aufgabenbereichs

Negativ:
- Nachlässiges Finish an einer versteckten, aber neuralgischen Stelle

Der Hersteller: www.bowrattler.com


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