Im Test:

Der Aerovane Jig von Firenock

Es gibt bei den Ausrüstungsgegenständen für Bogenjäger (in diesem Fall auch für Bogenschützen) ab und zu solche Momente, in denen der eigene Unterkiefer unkontrolliert der Schwerkraft anheimfällt.
Der Moment, in dem ich vor knapp 2 Jahren das Befiederungsgerät „Aerovane Jig“ der Fa. Firenock das erste Mal im Internet sah, war so einer. Der anschließende Blick auf den Preis, veranlasste sodann die Augenbrauen sich in die entgegengesetzte Richtung des Unterkiefers zu bewegen.

Seit über 20 Jahren tut das bewährte Bitzenburger Befiederungsgerät in meiner Bogenwerkstatt im Rahmen seiner Möglichkeiten seinen Dienst. Eigentlich bestand nicht wirklich die Notwendigkeit, es in Rente zu schicken. Ich habe ein Jahr mit mir gerungen, den Preis eines neuen Bogens für ein Befiederungsgerät hinzublättern, aber irgendwann war es dann eben so weit.
Mit Dorge Huang, dem Inhaber und Chefentwickler von Firenock, stehe ich schon einige Jahre in Kontakt. In der Tat halte ich ihn für einen der innovativsten Köpfe in der Zubehörbranche von Bogenequipment. Die Firenocks, also die Leuchtnocken, mit denen alles anfing, sind von meinen Jagdpfeilen nicht mehr wegzudenken. Eine E-Mail später war das Schmuckstück schon auf dem Weg nach Deutschland.
Es sind auch abgespeckte Versionen des Aerovane Jigs erhältlich, aber natürlich musste es das Ultimate-Kit sein. Nur den Laser habe ich nicht mit bestellt, da ich keine Schwierigkeiten beim Zoll bekommen wollte. Sollte ich dieses Zubehör mal benötigen, kann ich mir selbst eine solche Vorrichtung bauen.

Verpackt in einer Art Fototasche in Camouflage sind die Einzelteile gut geschützt. Allerdings muss man sich fragen, warum der AV Jig zerlegt transportiert werden soll. Schließlich nimmt man ein Befiederungsgerät nicht mit in den Wald. Die Tasche habe ich seit der ersten Inbetriebnahme des AV Jigs auch nicht mehr benötigt. Sei es drum.AerovaneJig01
Mit den leuchtenden Augen eines Dreijährigen vor dem weihnachtlichen Gabentisch, habe ich die Einzelteile ihren exakt zugeschnittenen Fächern entnommen, eingehend begutachtet und den Jig sorgsam montiert. Neben dem Hauptkörper aus Aluminium mit Messingknäufen zur Verstellung, enthielt das Kit die 4 „Chucks“, also die Aufnahmen für die gängigsten Pfeilinnendurchmesser, den verstellbaren Chuck für alle anderen Pfeildimensionen, den „Arrow Leveler“ mit Libelle, 3 „Hooks“ AerovaneJig04(Pfeilschaftauflagen), der verstellbare „Hook“, die schwarz eloxierte, gefräste Bodenplatte, sowie die Federklammer aus Edelstahl. Der hier fehlende Linienlaser, der normalerweise das Kit komplettiert, dient dem nachträglichen Kleben einzelner Federn. Hat man beispielweise eine Feder beim Schießen verloren, steckt man den Pfeil mit einer der verbliebenen Federn nach oben zeigend in den Jig, richtet den Linienlaser exakt mit dieser Feder aus und dreht die Rastfunktion um 120° auf die blanke Stelle. Der Laser zeigt nun genau die Position und die Flucht an, auf der die Feder ersetzt werden muss. Gegebenenfalls muss man nun noch die Klammer mit dem Laser ausrichten und man erhält ein präzises Ergebnis.

Bereits das Einstellen und Ausprobieren der unterschiedlichen Positionen des Jigs bereitete viel Spaß. Letztendlich siegte aber die Macht der Gewohnheit, so dass die gewählte Position nun doch wieder der des Bitzenburgers gleichkam.

An diese Stelle wäre es angebracht zu erwähnen, dass ich beim Befiedern meiner Jagdpfeile wohl eher zu den „Genießern“ zu zählen bin. Viele Bogenjäger oder Bogenschützen empfinden das Befiedern eher als lästig. Geräte, die Ratz-Fatz alle drei Federn gleichzeitig ankleben oder „in Reihe geschaltet“ das Befiedern beschleunigen helfen, waren nie so ganz meins. So ist der AV Jig auch weniger für den Bogenladen-Betreiber geeignet, denn schneller als mit anderen Geräten ist man hiermit auch nicht. Seine Stärken liegen eher in der Genauigkeit und vor allem in der Variabilität.

Die Rastfunktionen übernehmen kleine, verschleißfreie Keramikkugeln. Die entsprechenden Gradwerte (0, 120, 180, 240) sind am Drehschaft eingeprägt. Durch die 180° Raste kann man auch die bei Armbrustschützen beliebte Vierfachbefiederung im Winkel von 60-120-60-120 Grad anbringen. Die Aufnahme der „Chucks“ erfolgt über eine Art Morsekegel, also eine konische Klemmaufnahme, die eine formschlüssige und absolut zentrische Positionierung sicherstellt. Auch der mit O-Ringen versehene Schaft des „Chucks“ zur Pfeilaufnahme hat zum Ende einen leichten Konus, sodass alle Pfeilschäfte stets einen identischen Anschlag finden. Alles in allem eine wesentlich bessere Lösung als die wackelige Nockaufnahme des Bitzenburgers (ohne Zenith-Tool).
Zu jedem der „Chucks“ gehört auch ein „Hook“ (kugelgelagerte Pfeilschaftauflagen mit Langlochaufnahme zur Schränkung der Feder bis zu 2° in 0,5°-Schritten). Die Hooks sind übrigens in denselben Farben eloxiert wie die passenden „Shock-End-Caps“ für die jeweilige Schaftgröße. Diese Caps stützen bei den Leuchtnocken die Stiftbatterie gegen Herauslösen bei sehr harten Treffern.

Eine Besonderheit ist der verstellbare Chuck für Pfeilschäfte, die etwas aus der Norm fallen undAerovaneJig02 für die es keinen eigenen Chuck gibt. Bei mir waren das die A/C/C Pro Hunting. Da ich zu den filigranen Nocken wie G-Nock, F-Nock etc. (eigener Beitrag zu gegebener Zeit) kein Vertrauen habe, wurde das hintere Schaftende samt Nockadapter kurzerhand abgeschnitten. Dadurch konnte ich die „E-Nocks“ von Firenock verbauen, deren Schaft im identischen Außendurchmesser zu den HP Inserts gehalten ist. Befiedern musste ich diese Schäfte aber mit dem „Adjustable Chuck“, da es für diesen, eher weniger gebräuchlichen Innendurchmesser keinen normalen „Chuck“ gibt.

AerovaneJig03In diesem interessanten Bauteil verbirgt sich ein Zahnradgetriebe, welches mittels 3 Edelstahlzapfen den Schaft von außen fixiert, während er befiedert wird. Damit nun bei allen erdenklichen Außendurchmessern der Pfeilschaft perfekt fluchtend zu diesen Zapfen und somit auch gerade durch das Befiederungsgerät verläuft, ist auch der „Hook“ horizontal und vertikal fein einstellbar.
Zunächst richtet man die Libelle des Jigs aus (Pfeilschaft horizontal zur Arbeitsfläche) und hängt den „Arrow Leveler“ an den Pfeilschaft. Durch das Einstellen des verstellbaren „Hooks“ richtet man den Pfeilschaft exakt zum Jig aus. Fertig. Nun kann man den Jig wieder in jeder gewünschte Position bringen. Klingt umständlich, geht aber in der Tat sehr flott.

Adj Chuck OringDer verstellbare Chuck hat aber eine Schwäche. Dreht mano-ring aus Versehen die Rastverstellung in die falsche Richtung, öffnen sich die Edelstahlzapfen und geben den Schaft frei. Ich habe dieses kleine Manko mit einem simplen Trick behoben. Ein O-Ring um alle drei Zapfen hält diese stets geschlossen und den Pfeilschaft schön fest. Das Öffnen erfordert dadurch ein klein wenig mehr Kraft, aber der Pfeilschaft sitzt sicher.

 Die Federklammer des AV Jigs ist aus nicht rostendem Stahl gefertigt. Dadurch können Klebstoffreste bedenkenlos mit dem Cuttermesser heruntergekratzt werden. Die zwei Hälften der Klammer liegen dabei nicht flach aneinander wie beim Bitzenburger, sondern berühren sich nur über je einen Absatz an der Klebekante. Letztere ist sauber plangeschliffen. Durch die Absätze ergibt sich ein Spalt von ca. 3mm zwischen den Klammerhälften. Der Sinn dahinter liegt in der Tatsache, dass der Aerovane Jig eben in erster Linie für die Aerovanes gebaut wurde. Gerade das neue Modell Aerovane III ähnelt der bekannten „Spin-Wing“ mit gekrümmter Finne, die eben diesen Platz benötigt. Aus demselben Grund ist die Klammer des AV Jigs vergleichsweise kurz ausgefallen. Eine 4“-Feder geht gerade noch so hinein. Wer 5“ oder länger befiedern möchte, kann hier auch die Klammer des Bitzenburgers benutzen. Die entsprechende Drallklammer passt natürlich auch.

Ich habe insgesamt 4 Dutzend Jagdpfeile mit dem Aerovane Jig problemlos und exakt mit 4“ Naturfedern befiedert. Sowohl mit den festen, als auch mit dem verstellbaren Chuck war die Arbeit eine Freude.

Natürlich lässt sich die Schränkung der Befiederung, außer an den „Hooks“, auch an den gewindegelagerten Magneten verstellen. Wer auf Youtube etwas sucht, findet die Videos eines präzisionsverrückten Armbrustspezialisten, der die normalen Rändelschrauben der Magnetverstellung durch Mikrometerschrauben ersetzt hat. Die Schränkung der Befiederung kann er nun auf den 100stel Millimeter genau vornehmen und schauen, wann er die besten Pfeilgruppierungen erzeugt.

Verbesserungswürdig:
RubberDer Bodenplatte habe ich 1mm starke Gummileisten clampverpasst, da mir die 4 Silikon-Nippel doch etwas schwammig vorkamen. Auch ist die Magnetkraft sehr stark. Etwas selbstklebendes Fleece auf die Kontaktfläche der Klammer erlaubte noch besseres Arbeiten. Neben dem O-Ring am verstellbaren „Chuck“ waren das aber auch schon die einzigen Baustellen an diesem feinen Gerät.


Fazit:
An Funktionalität und Variabilität ist der Aerovane Jig wohl nicht zu schlagen. Alles an diesem Befiederungsgerät ist gut durchdacht und äußerst hochwertig. Selbst in einer Vitrine würde der AV Jig eine gute Figur abgeben. Der Preis ist heftig, aber angesichts der Qualität und der Möglichkeiten noch einigermaßen akzeptabel. Ein Befiederungsgerät, das den Besitzer wohl überleben wird.
Die exakten Einstellungsmöglichkeiten sind unübersehbar den Aerovanes geschuldet. Besonders Modell Nr. 3 erzeugt laut Hersteller eine enorme Pfeilrotation bei erhöhter Seitenwindstabilität und wurde extra für „Hochgeschwindigkeitkonfigurationen“ entwickelt.
Benötigt der Bogenjäger ein solches Befiederungsgerät nun unbedingt?
Wie in vielen Fällen, wenn man hochpreisige Spitzenprodukte mit preisgünstigeren Alternativen vergleicht, kann man auch hier sagen: „Der Kleinwagen bringt mich ebenso von A nach B wie die Luxuslimousine. Letztere hat aber durchaus ihre Vorteile.“

Wer noch mehr sehen möchte, schaut sich am besten diese Beschreibung, inkl. Videos auf der Herstellerseite an:
http://www.firenock.com/main.php?page=AerovaneJig

Pluspunkte:
+ Verarbeitung und Werkstoffauswahl
+ Einstellbarkeit
+ Variabilität

Abzüge:
- recht kurze Klammer
- hoher Preis

Nachtrag (Januar 2013):
Auf der diesjährigen ATA-Show hat Firenock das erweiterte Modell des Aerovane Jig vorgestellt. Neben dem "Long Feather Adapter", hat die Rastfunktion nun 7 anstatt der o.g. 4 Winkelstellungen. Beide Erweiterung sind für ältere Modelle des AV Jigs nachrüstbar.

Thanks to http://selfilmed.com/

 


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