Portable Bow Press

Jeder Bogenjäger, der in fremden, fernen Ländern seiner Leidenschaft nachgeht, kennt das Problem: Aus Platz- und Gewichtsgründen kann man nun einmal nur eine sehr begrenzte Menge an Gepäck und somit auch an Werkzeug und Ersatzteilen mitnehmen.

Bei der Jagdausübung, vor allem außerhalb von geschützten Ansitzen, kann praktisch jede scharfe Kante dazu führen, dass man Sehne oder Kabel tauschen muss. Es gibt mittlerweile Compoundbögen auf dem Markt, die man einfach über die Wurfarmbolzen entspannen kann. Doch diese sind eher die Ausnahme.

Seit einigen Jahren gibt es für dieses Problem diverse, mehr oder weniger gut durchdachte, mobile Lösungen. Diese portablen Bogenpressen erlauben es, die Wurfarme des (immer noch gespannten) Bogens so zusammenzudrücken, dass man Sehne oder Kabel relativ problemlos austauschen kann.

Wirklich problematisch wird die Sache, wenn der Bogen, eventuell wegen eines Wurfarmdefektes, ganz zerlegt werden muss. Die bisherigen technischen Lösungen, die zumeist mittels Gewindestangen oder Ratschengurt funktionieren, schaffen es nur bei den wenigsten Bögen, die notwendige Weglänge der Wurfarmentspannung zu erreichen.

Eine interessante Lösung findet man seit ca. einem Jahr bei der Fa. SYNUNM aus Argentinien. Offensichtlich ist der Erfinder ein erfahrener Segler und hat ganz einfach das „Niederhol-Prinzip“ für Segel mittels Rollenübersetzung auf eine Bogenpresse übertragen. Mit Hilfe der angemessenen Schotlänge ist es dieser Presse praktisch egal, wie lang der Bogen ist oder wie viel Weg die Wurfarme zur Entspannung benötigen. Von der Armbrust bis zum langen Target-Compoundbogen lässt sich mit dieser Presse so ziemlich alles pressen und entspannen. Erstaunlich sind dabei auch die Geschwindigkeit und Mühelosigkeit.


Bislang ist diese Bogenpresse nur bei wenigen Händlern (Lancaster Archery) oder direkt beim Hersteller zu bekommen. Diesen Beitrag habe ich im Do-it-yourself-Bereich positioniert, weil ich diese Presse in Heimarbeit nachgebaut habe. Erstens wollte ich für meine schweren Bögen eine extra stabile Version und zweitens kam mir der Preis von US$ 175.00 für zwei Stahlhaken und ein paar Umlenkrollen recht hoch vor.
Tja, da lag ich aber schön daneben! Deshalb möchte ich hiermit jedem Interessenten raten, es sich sehr gut zu überlegen, bevor er denkt, dass man so etwas auf die Schnelle für ein paar Euro nachbauen kann. Ich rate ausdrücklich dazu, sich das Original zu bestellen, wenn man kein geübter Metallhandwerker mit viel Freizeit ist.

Die Haken wurden aus 6x20mm Flachstahl zu geschnitten und gebogen. Hierin liegt auch schon das erste Problem. DHaken rohie Bestimmung der Radien und des flachen Auslaufs der Haken war alles andere als einfach. Schließlich sollten sie für alle möglichen Wurfarmwinkel und Bauformen passen und sicherstellen, dass sie jederzeit perfekt sitzen und die Wurfarmenden nicht beschädigen. Eine Kombination aus Warmumformung und guter, alter Kaltschmiedearbeit auf einer eigens gedrehten Welle, brachte dann das gewünschte Ergebnis. Wer sich die Videos auf dem Youtube-Kanal des Herstellers ansieht, wird die unterschiedlichen Haken bemerken. Beim Pressen eines „Beyond-Parallel-Bogens“ (was für ein Wort), hier ein PSE EVO, weisen die Haken einen leichten Knick in der Mitte in Richtung Sehne auf. Dieser gewährleistet einen, zueinander fluchtenden Sitz der Haken.
Diese Bauform ist auch bei allen anderen Bogenformen nutzbar, also habe ich das so übernommen.

Zwischen die unteren Enden habe ich nun ein weiteres Stück Flachstahl geschweißt, welches die beiden Haken 22mm auseinander hält. Das Ganze musste natürlich fest eingespannt in einer Vorrichtung erfolgen, damit sich die Haken nicht verziehen und das jeweilige Wurfarmpaar wirklich exakt gleichzeitig gepresst wird.

Nachdem die Bohrungen für Schot und Rollenblock angebracht wurden, war der Rest eher Kosmetik.PP Hooks Schleifen, Strahlen, Grundieren, Lackieren und Gummieren. Letzteres habe ich mit ca. 5 Tauchgängen in unverdünntem Plasti-Dip erreicht. Man kann natürlich auch einfach einen passenden Gartenschlauch drüberziehen.Beim Original sitzen die Umlenkrollen an der Rückseite der Haken. Ich habe mich dafür entschieden, einen beweglichen Rollenblock direkt unter dem Haken anzubringen, um stets eine saubere Flucht zu gewährleisten.

PP02Jetzt kommen wir zum zweiten Problem des Eigenbaus. Dem Preis.
Eine ordentliche Niederholer-Einheit, auch Talje genannt, bestehend aus einem Violinenblock mit V-Lock (Schotarretierung) und gegenüberliegendem Doppelblock, kostet im Fachhandel für Segelzubehör zwischen EUR 70 und 85. Ich habe mich für ein Modell der renommierten Fa. Sprenger entschieden. Logischerweise alles aus Edelstahl und kugelgelagert. Die Rollenblöcke an den Haken kommen auf ca. EUR 12 – 15 das Stück. Beim hochfesten 6mm-Schot ist man mit ca. EUR 2 pro Meter (man braucht ca. 7 Meter) dabei. Selbst ohne die ganze Arbeit ist man schnell bei EUR 130, nur für das Material. Deshalb finde ich den Preis des Originals auch alles andere als teuer.

Fazit:
Die Videos des Herstellers haben nicht übertrieben. Diese Bogenpresse funktioniertPP04 in der Tat kinderleicht. Selbst mein EVO 7 mit den stärksten Serienwurfarmen lässt sich mühelos pressen, zerlegen und wieder zusammenbauen. Auch ein Herausrutschen der Haken von den Wurfarmen oder des Schots aus dem V-Lock ist bei ordentlicher Bedienung unmöglich. Mein Eigenbau schlägt mit ziemlich genau 1kg an Mehrgewicht zum Jagdgepäck nicht übermäßig zu Buche. Dafür hat man das beruhigende Gefühl, dass man sich bei einem eventuellen, technischen Malheur praktisch zu helfen weiß. Für den Erfinder gibt es von mir beide Daumen hoch für eine kreative, praktikable Idee und eine gute Umsetzung.


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