Das "POWER DRAW BOARD"

In jeder guten Bogenwerkstatt findet man eine mehr oder weniger ausgeklügelte Vorrichtung, die dazu dient, den Bogen auch ohne Muskelkraft auszuziehen. Meist wird das Bogenmittelteil in der tiefsten Stelle des Griffs mittels eines Bolzens fixiert. Mit Hilfe einer Stahlseil- oder Gurtwinde kann man nun den Bogen ausziehen und auch an jeder beliebigen Stelle den Zugvorgang anhalten.

Dieses sogenannte „Draw Board“ kann mehrere Aufgaben erfüllen und dem Anwender (Bogenjäger) wertvolle Informationen über sein Schießgerät liefern:

  • Gipfelzuggewicht & Haltegewicht im Vollauszug (Let-Off)
  • Exakte Auszugslänge & Kraft-Weg-Strecke (Powerstroke)
  • Energieabspeicherung durch Auslesen der Federkennlinie (Draw-Force-Curve & Let-Down-Curve)
  • Deflektionsverhalten der Wurfarme (Amplitude & Biegezone)
  • Ab- und Aufrollverhalten der Cams
  • Timing bzw. Synchronisation der Cams
  • Wandern des Nockpunkts während des Auszugs (Nockingpoint Travel)

In den meisten Fällen findet man ein solches „Draw Board“ in Form eines Kantholzes und einer Winde mit Handkurbel. Dies ist zweifelsohne die preisgünstigste Variante und bietet bereits genug Möglichkeiten, um die Grundeinstellung eines Compoundbogens zu überprüfen. In der Tat sah auch mein erstes Draw Board genauso aus.

Irgendwann entschloss ich mich jedoch das Ganze auf andere Füße zu stellen. Besonders zur Ermittlung einer realistischen Federkennlinie benötigt man einen sehr gleichmäßigen Auszug und einen ebensolchen Ablass. Die Verwendung einer Handkurbel war zwar schon um Welten besser als das naturgemäß fehlerbehaftete Ausziehen des Bogens von Hand, welches schon allein durch die Muskelkontraktion generell ungenau Werte liefern muss, aber eine wirklich brauchbare Genauigkeit kann man eigentlich nur mit Hilfe eines Zugmotors erhalten.

PDB 01PDB 02Aus Platzgründen entschied ich mich für eine vertikale Bauform. Die Grundkonstruktion wurde aus der schweren Variante von Aluminiumprofilen in den Querschnitten 40x40, 80x40 und 120x40mm erstellt. Die schwere Variante dieser Profile ist superstabil und erlaubt zudem das Gewindeschneiden in der Querschnittsmitte. Der Innendurchmesser dieser „Profilseele“ beträgt bereits 6,8mm, also das Kernlochmaß für das Gewinde M8.

 

Das Stahlseil ist sehr flexiPDB 06bel. Über einPDB 05e kugelgelagerte Stahlrolle (Garagentor-Zubehör) erfolgt der Auszug durch eine elektrische Winde. Dieses Modell ist mit der Umlenkrolle für Gewichte bis 400kg zugelassen und rollt das Stahlseil mit 4 Meter pro Minute auf. Der Auszug und das Ablassen eines Bogens dauern somit je nach Auszugslänge 6-9 Sekunden. Die Winde verfügt über eine Bremse. Beim Loslassen des Schalters stoppt der Motor sofort, so dass ein Überziehen des Bogens vermieden wird. Trotzdem stoppe ich den Auszug kurz bevor der Bogen den Vollauszug erreicht. Die letzten Millimeter zur Überprüfung des Anschlags der Kabel und der „Draw-Stops“ kann sodann mit Hilfe des Spannschlosses auf der Rückseite präzise vorgenommen werden. Sicherlich kann man das Ganze auch durch einen verschiebbaren Endschalter ergänzen, aber das würde das Feintuning im Let-Off-Bereich unflexibler machen.

PDB SchalterDurch schnelles Klicken mit dem Schalter kann man sich millimeterweise vor- und zurück tasten. Den Not-Aus-Schalter habe ich noch nie gebraucht.

Die Skala für die Auszugslänge ist verschiebbar und somit für jede Standhöhe anpassbar. Die Zuggewichtswaage ist von der Fa. Kern und liefert die Werte wahlweise in kg oder lbs.
Zur Aufnahme des Bogens dient ein geschweißter, verschiebbarer Halter PDB 03mit einem gummi-ummantelten Stahlbolzen (Ø30mm) als Widerlager in der tiefsten Stelle des Griffs. Zusätzlich zwei horizontal verschiebbare Säulen mit je einem vertikal verschiebbaren Bolzen (M8 mit gedrehten, aufgeschraubtem POM-Bolzen), welche man stufenlos so einrichten kann, dass so ziemlich jedes Bogenmittelteil dort sicher und gerade gehalten wird.

PDB 07PDB 08Zur Ermittlung der Zuggewichtskurven in Auszug und Ablass wären natürlich ein Wegsensor (Magnetschiene oder Seilzug) und ein Kraftsensor in Verbindung mit einer entsprechenden Software (z.B. Labview) sehr hilfreich. Da diese Ausstattung jedoch den reinen Materialpreis von ca. EUR400 (inkl. Winde und Waage) in etwa verdreifachen würde und ich das Power Draw Board auch nicht jeden Tag brauche, benutze ich die preisgünstige Methode mittels Camcorder und Excel-Tabelle. Doch dazu mehr in einem eigenen Beitrag über die Leistungsermittlung des Bogens zu gegebener Zeit.

Die Aluminiumprofile kann man sich nach Wunsch zuschneiden lassen. Zum Beispiel bei der Fa. MOTEDIS. Dort gibt es auch alle benötigten Verbindungselemente.

Viel Spaß beim Nachbau.

MG


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