Die Bogenjagd


Das Thema Bogenjagd wird in der Öffentlichkeit und der Jägerschaft immer wieder intensiv diskutiert. Vom normalen Austausch ähnlicher und unterschiedlicher Meinungen und Auffassungen bis hin zu unsachlichen Kontroversen, stößt man auf alle Facetten des zwischenmenschlichen Diskurses.

Den Lesern, die mit dem Thema Bogenjagd bislang kaum oder nur unzureichend in Kontakt gekommen sind, soll die folgende „Frage-Antwort-Sammlung“ einen ersten, grundlegenden Einstieg zu dieser Thematik ermöglichen. Hierbei soll auch eine eventuelle Jagdausübung mit Pfeil und Bogen in Deutschland beleuchtet werden.

Wichtig:
Um die Wirksamkeit einer fachgerechten Ausübung der Bogenjagd darstellen zu können, kommt man nicht umhin, einen Vergleich zu den bisher eingesetzen, legalen und reglementierten Jagdmethoden und Jagdwaffen anzustellen. Dies dient einzig und allein dem Zweck, den Jagdbogeneinsatz als reell umsetzbare Alternative zu beleuchten und Denkanstöße zu geben. Es sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dadurch in keinster Weise irgendeine andere Jagdmethode oder Jagdwaffe in Frage gestellt oder gar diskreditiert werden soll.


Häufige Fragen und Antworten zum Thema Bogenjagd

1. Wie groß sind die jagdlichen Entfernungen und die Genauigkeit des Jagdbogens?
2. Welche Wildarten kann man mit Pfeil und Bogen bejagen?
3. Wie funktioniert eine Jagdspitze?

4. Wie ist das mit der kinetischen Energie beim Jagdpfeil?
5. Wie ist das Schmerzempfinden des Wildes beim Pfeiltreffer zu beurteilen?
6. Erzeugt der Pfeiltreffer einen Schock?
7. Wie lang sind die Fluchtstrecken von beschossenem Wild?
8. Was passiert bei einem Waidwundschuss?
9. Gibt es Anschuss- und Pirschzeichen? Wie sieht es mit einer Schweißfährte aus?
10. Begünstigt der lautlose Schuss die Wilderei?
11. Welche Jagdarten sind bei der Bogenjagd üblich?
12. Ist die Einführung der Bogenjagd in Deutschland denkbar?

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13. Ist die Bogenjagd eher Jagd oder Sport?
14. Ist der Jagdbogen eine Waffe?

15. Kann man mittels Bogenjagd einen Abschussplan erfüllen?
16. Welche echten Vorteile hat die Jagd mit Pfeil und Bogen gegenüber der Jagd mit der Feuerwaffe oder „Warum wollen Sie ausgerechnet in Deutschland mit dem Bogen jagen“?
17. Wie wird man Bogenjäger?

1. Wie groß sind die jagdlichen Entfernungen und die Genauigkeit des Jagdbogens?
Die häufigsten Jagdentfernungen liegen zwischen 10 und 30m.

Gute Bogenjäger erreichen Pfeilgruppen unter 5cm auf 50m. Freistehend mit offener Visierung kenne ich nicht viele Gewehrjäger, die das mit der Büchse hinbekommen. Jedoch bestimmen vor allem die Vertrautheit des Wildes und andere Umstände innerhalb der jeweiligen Jagdsituation, auf welche Entfernung eine Schussabgabe vertretbar ist. Hier ist auch die Erfahrung des Jägers gefordert. Vertrautes Wild kann man auf eine größere Entfernung schießen als nervöses. Der Grund liegt in der relativ zum Büchsenprojektil geringen Geschossgeschwindigkeit von ca. 70-100 m/s.
(Siehe auch Die Reaktion des Wildes nach dem Schuss im Bereich Ballistik)

 
2. Welche Wildarten kann man mit Pfeil und Bogen bejagen?

Alle Wildarten, die mit Büchse oder Flinte jagdbar sind, können auch mit dem Jagdbogen waid- und tierschutzgerecht gestreckt werden. Ebenso wie bei der Waffen- und Kaliberwahl, ist auch die Bogenjagdausrüstung gegebenenfalls an die Wildart und –stärke anzupassen. Wie das geht, wird auch auf dieser Website erläutert.

Eine moderne Bogenjagdausrüstung ist technisch so weit entfernt von den Haselnussruten und Spielzeugbögen der Kindheit wie ein Helikopter vom Heißluftballon. Hier nur einige wenige Beispiele:
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3. Wie funktioniert eine Jagdspitze?

Die Jagdspitze, also die klingenbewehrte Spitze des Jagdpfeils, stellt DEN eigentlichen, rein technischen Unterschied zwischen Bogenjagd und dem sportlichen Bogenschießen auf Zielscheiben dar. Die Grundvoraussetzungen für ihre Wirksamkeit liegen in der Schärfe der Klingen und in der angestrebten, strukturellen Integrität,Lunge Rotwild sprich der Anforderung, dass sich die Spitze beim Durchdringen des Wildkörpers weder verformt, noch zerlegt. Eine gute Jagdspitze ist nachschärfbar und kann immer wieder verwendet werden. Die Jagdspitze erzeugt mit einer Geschwindigkeit von ca. 250 - 330km/h einen durchgehenden Schnittkanal quer durch den Wildkörper (Trefferlage Kammerbereich wie beim Büchsenschuss).

Die Schneiden durchtrennen große, blutführende Gefäße (z.B. Aorta und Lungengewebe). Die Folge ist ein extrem rascher Blutverlust und/oder Pneumothorax. Der Eintritt des Todes erfolgt bei Wirbeltieren ab ca. 40% Blutverlust. Je nach Wildart dauert das ca. 8-15 Sekunden.

4. Wie ist das mit der kinetischen Energie beim Jagdpfeil?
Durch die, um etwa den Faktor 10 bis 15, geringere Geschwindigkeit des Jagdpfeils im Vergleich zum Büchsengeschoss, kann der Pfeil, trotz seines höheren Gewichts von 25-50 Gramm, nicht die hohen Joule-Werte von Büchsenmunition erreichen. Der Grund dafür liegt in der Formel der kinetischen Energie, in welcher die Geschwindigkeit quadriert wird. Die Tatsache, dass der Jagdpfeil trotzdem schwerste Wildkörper mühelos durchschlägt, in denen so manches Großwildkaliber stecken bleibt, ist allerdings ein Beleg dafür, dass hier vollkommen andere zielballistische Faktoren zum Tragen kommen und eine Bewertung und Gesetzgebung allein auf die kinetische Energie zu beschränken als unzureichend zu betrachten ist.

Kurz erläutert:
Der Widerstand des Wildkörpers gegen das Eindringen eines Geschosses nimmt bei wachsender Geschwindigkeit zum Quadrat zu. Je schneller das Geschoss, desto schneller wird auch dessen Geschwindigkeit und somit seine hohe Energie abgebaut. Beim Jagdpfeil bleiben das Gewicht UND die Geometrie konstant. Nicht zwangsläufig so beim Jagdprojektil aus der Büchse. Zudem kann sich die skalpellscharfe Klinge ihren Wundkanal schneiden und muss das Gewebe nicht verdrängen oder zerreißen. Ein Schnitt benötigt weitaus weniger Energie und Kraft. Den Schild aus Sehnengewebe an den Flanken eines erwachsenen Keilers kann man beinahe mit dem Sicherheitsgurt eines Autos vergleichen. Kein Mensch wäre stark genug, diesen Gurt zu zerreißen. Selbigen jedoch mit einer scharfen Klinge (Jagdspitze) zu durchtrennen, stellt selbst für ein Kind kein Problem dar.
Ein Jagdpfeil schöpft sein Tiefenwirkungspotential also weniger aus der Geschwindigkeit, sondern vielmehr aus seiner Masse, Geometrie und der Schneidwirkung der Jagdspitze. Genaueres zum Thema Tiefenwirkung von Jagdpfeilen finden Sie im Bereich Ballistik.

 
5. Wie ist das Schmerzempfinden des Wildes beim Pfeiltreffer zu beurteilen?
Schmerzempfinden ist vor allem abhängig von der Art und dem Grad der Gewebezerstörung.

Durch den glatten Schnitt der extrem scharfen Klinge ist die Gewebezerstörung sehr gering und somit auch das Schmerzgefühl. Gleichzeitig ist die Wundwirkung hocheffektiv und schnell tödlich. Wer sich einmal mit einer sehr scharfen Klinge unabsichtlich verletzt hat, wird sich bestimmt noch daran erinnern, dass sich ein echtes Schmerzgefühl erst deutlich nach dem eigentlichen Schnitt einstellte. Nachweislich befinden sich im Blut des Wildes, welches mit dem Bogen erlegt wurde, wenig bis gar keine Katecholamine, also Stresshormone wie Adrenalin oder Noradrenalin.
Fachgerechte Bogenjagd ist KEINE Tierquälerei!

Da die Jagdspitze eine Kombination aus Stich- und Schnittverletzung bei hoher Geschwindigkeit verursacht, ist in diesem Zusammenhang die Lektüre dieser Dissertation interessant. Auch wenn das Hauptthema dieser Arbeit wenig mit der Jagd an sich zu tun hat, unterstützen die wissenschaftlichen Betrachtungen in Kapitel 1.3.2 (Verbluten durch Stich- und Schnittverletzungen) sowie in Kapitel 1.3.4 (Schussverletzung) die im oberen Absatz gemachten Aussagen.


6. Erzeugt der Pfeiltreffer einen Schock?
Eindeutig Ja. Ein Schock definiert sich medizinisch in einer durch Mangeldurchblutung verursachten Sauerstoffunterversorgung. Bei Kammertreffern reden wir von lebenswichtigen Organen. In erster Linie geschieht dies durch die durchgängige Schnittwunde im Kammerbereich des Wildes. Aufgrund der großflächigen Schnittverletzung vollzieht sich der Blutverlust extrem rasch.

In den meisten Fällen tritt diese Wundwirkung in einer Kombination mit einem Pneumothorax auf, also dem Kollabieren der Lunge durch das Eindringen von Luft in den Pleuraspalt, verursacht durch die Ein- und Ausschussöffnung der Jagdspitze. Der von einigen Gewehrjägern oft erwähnte „paarige Schock“, der das sofortige Verenden des Wildes zur Folge hat und gerne als Beleg zur vermeintlichen Überlegenheit des Büchsenprojektils gegenüber dem Jagdpfeil herangezogen wird, ist wissenschaftlich nicht haltbar oder zumindest umstritten. Siehe auch hierzu: http://lutzmoeller.net/Ballistik/Irrglauben.php


7. Wie lang sind die Fluchtstrecken von beschossenem Wild?
Aufgrund des meist relativ geringen Schmerzempfindens und der geringen Geräuschemission des Bogens geht beschossenes Wild selten hochflüchtig ab. Eine Fluchtstrecke von ca. 20-100 Meter vom Anschuss ist die Regel. Meist fällt das beschossene Stück auf Sicht.

8. Was passiert bei einem Waidwundschuss?
Die Ursache eines schlechten Treffers ist fast ausschließlich beim Schützen zu suchen und hierbei spielt es keine Rolle, welches „Schießgerät“ er eingesetzt hat. Die Vermeidung von schlechten Schüssen und somit meist unzureichenden Treffern sollte für jeden verantwortungsbewussten Waidmann zu den obersten Geboten gehören.

Die Varianten von schlechten Treffern und deren individuellen Auswirkungen sind natürlich unzählig. Somit ist eine umfassende Bewertung schwierig bis unmöglich. Passiert es nun doch einmal, dass ein nicht tödlicher Treffer zustande kommt, hat auch hier die glatte Schnittwunde, verursacht durch die scharfen Klingen der Jagdspitze, einen „medizinischen Vorteil“. Die Wunde kann leichter sauber ausschweißen. Im Vergleich zum Büchsenprojektil werden keine Verunreinigungen wie Haare und Schmutz mit in die Wunde gezogen. Letzteres führt sodann häufig zu Infektionen und lässt das Wild unnötig leidend verenden, auch wenn die Schussverletzung an sich nicht tödlich war.

9. Gibt es Anschuss- und Pirschzeichen? Wie sieht es mit einer Schweißfährte aus?
Im Gegensatz zum Kugeltreffer ist der Pfeiltreffer deutlich besser zu beobachten und somit das Verhalten nach dem Schuss direkt koordinierbar. Konnte die Trefferlage nicht eindeutig bestimmt werden, so sind die tierspezifischen Zeichen am Anschuss, wie beispielsweise Schnitthaar oder Schweiß, meist leicht auffindbar. Der Jagdpfeil an sich ist jedoch der beste Hinweis auf die Trefferlage. Ein kompletter Durchschuss sollte schon allein deshalb, im Rahmen der Wahl des Leistungspotentials der Bogenausrüstung, stets angestrebt werden. Nach dem Beschuss stellt der schweißbenetzte Pfeil sozusagen ein Spiegelbild dessen dar, was er kurz zuvor durchdrungen hat. Visuell und olfaktorisch kann der Bogenjäger am Pfeil die Trefferlage geradezu „ablesen“.Philip

DS WeißwedelDie Schweißfährte ist durch die stark schweißende Schnittwunde sehr häufig auf Sicht leicht zu verfolgen. Sie ist jedoch, wie beim Treffer mittels Büchsenprojektil, stark abhängig von der Trefferlage. Je höher der Treffer, desto mehr findet der Schweißverlust im Körperinneren statt, sodass nur wenig nach außen dringt. Da aber bei einer Schnittwunde, aufgrund der glatt durchtrennten Gefäße, die Blutung kaum zu stoppen ist, kann man beobachten, dass die Schweißfährte bei einem Jagdspitzentreffer meist stärker ausgeprägt ist als bei einem identischen Treffer durch ein Büchsenprojektil, welches das Gewebe „zerreißen und verdrängen“ muss, um die gewünschte Tiefenwirkung zu erzielen. Bei zerrissenen Gefäßen fällt es der Blutgerinnung leichter einen Pfropfen zu bilden als bei Gefäßen, die sauber geschnitten wurden.

10. Begünstigt der lautlose Schuss die Wilderei?
Ein klares Nein. Wilderei ist eine Straftat, egal mit welchen Hilfsmitteln sie begangen wird.

Der Jagdbogeneinsatz ist viel zu aufwendig und anspruchsvoll und somit für den Wilderer uninteressant. Bei Tageslicht, mit verhältnismäßig sperriger und auffälliger Gerätschaft sowie vergleichsweise geringen Erfolgsquoten und den besten Chancen erwischt zu werden, einer illegalen Tätigkeit nachzugehen, wird sich wohl auch der dümmste Wilderer kaum antun.

11. Welche Jagdarten sind bei der Bogenjagd üblich?
Bogenjagd  Treestand
Auch, wenn oft angenommen wird, der Bogenjäger sei ein reiner Pirschjäger, so ist dies nicht der Fall. In der Tat wird in erster Linie vom Ansitz aus gejagt. Zahlreiche Varianten von offenen Baumsitzen, die das Ausziehen des Bogens ermöglichen, sind dafür auf dem Markt erhältlich.BhejaneASAT01 Ebenso diverse Ansitzzelte für den windgeschützten Erdansitz. Bewegungsjagden sind zwar möglich, aber weniger die Stärke des Bogenjägers. Flüchtiges Wild zu beschießen, verbietet sich mit dem Bogen von selbst. Die hohe Kunst des Pirschens beherrschen nur vergleichsweise wenige Jäger so perfekt, dass sie sich dem wahrnehmungstechnisch weit überlegenen Wild bis auf wenige Meter nähern können. Ist dies doch einmal geglückt, ist der Jagderfolg natürlich umso wertvoller.

12. Ist die Einführung der Bogenjagd in Deutschland denkbar?
Prinzipiell sehr wohl. Die Bogenjagd ist in sehr vielen Ländern dieser Erde als waidgerechte Jagdmethode anerkannt und gesetzlich reglementiert. Die Anzahl der Jäger, die regelmäßig mit dem Bogen der Jagdausübung nachgehen, beläuft sich weltweit auf über 4 Millionen. Zu den erwähnten Ländern gehört auch die Mehrzahl der europäischen Staaten.

In Deutschland tut man sich in Politik und traditioneller Jägerschaft noch schwer, die Bogenjagd als eine sinnvolle Bereicherung der bisherigen Jagdmethoden anzuerkennen. Die Ursachen dafür sind vielfältig, liegen aber vor allem im Bereich der mangelnden Aufklärung. Unwissenheit verursacht stets Verunsicherung und die Angst, Fehler zu begehen. Viele politische Entscheidungsträger, aber auch die (Gewehr-) Jägerschaft, haben noch zu wenig Erfahrung mit dieser Thematik, um sich eine umfassende, realitätsbewertende Meinung bilden zu können. Entsprechende Vorbehalte und Ablehnung sind sodann oft die Folge.

 


Die Bogenjagd (2)

 

13. Ist die Bogenjagd eher Jagd oder Sport?
14. Ist der Jagdbogen eine Waffe?

15. Kann man mittels Bogenjagd einen Abschussplan erfüllen?
16. Welche echten Vorteile hat die Jagd mit Pfeil und Bogen gegenüber der Jagd mit der Feuerwaffe oder „Warum wollen Sie ausgerechnet in Deutschland mit dem Bogen jagen“?
17. Wie wird man Bogenjäger?

 

13. Ist die Bogenjagd eher Jagd oder Sport?
Manche Kritiker aus den Reihen der Gewehrjäger unterstellen der Jagdmethode Bogenjagd zuweilen, eher eine Sport-, denn eine Jagdausübung darzustellen. Wie sie darauf kommen, lässt sich wohl nur durch den tatsächlichen Mangel an validen Argumenten begründen und stellt einen fachlich recht unbeholfenen Versuch von Diskreditierung dar. Die Bogenjagd als „Sport“ einzuordnen, ist grundlegend falsch und zeugt von erschreckender Unkenntnis der Thematik. Jagdpfeil und Jagdbogen sind ausschließlich als ergänzende Waidwerkzeuge zu betrachten, welche in einigen jagdlichen Einsatzgebieten deutliche Vorteile haben und mitunter der Feuerwaffe vorzuziehen sind. Ähnlich dem Greifvogel, der Falle oder dem Jagdhund. Eine, den normalen (deutschen) Jagdschein ergänzende Prüfung zum Bogenjäger wäre hier sodann selbstverständlich verpflichtend.

Mehr "Spaß" an der Jagd und die Suche nach einem „Kick“, sind weitere Äußerungen, die man zuweilen von kritischen Jagdkollegen zu hören und zu lesen bekommt. Das ehrenvolle Waidwerk nach alter Väter Sitte „darf natürlich keinen Spaß machen“. Ersetzt man hingegen bei der Begrifflichkeit „Spaß an der Jagd“ das Wort „Spaß“ durch das Wort „Freude“, müssen sich diese Herrschaften recht schnell an den eigenen Hut fassen. Ob nun einem Jäger, der Pfeil und Bogen benutzt, ein „Kick“, also eine emotionale Stimulation, demnach auch ein intensiveres Jagderlebnis widerfährt, können aber wohl nur diejenigen beantworten, die auch mit dem Bogen jagen. Als Gewehr-, Fallen-, Beiz- und Bogenjäger kann ich jedoch sagen: Einen solchen „Kick“ verspürt wohl fast ein jeder Jäger. Bei sich selbst nennen ihn die meisten gerne „Passion“.
Ein naturbewahrendes Ehrenamt mit Passion, also mit Leidenschaft, unbenommen des verwendeten Werkzeugs, auszuüben, sollte man sich nicht als Makel anlasten. De facto gibt es kein einziges valides Argument gegen die Legitimierung der Bogenjagd, das nicht auch zugleich die Jagdausübung an sich angreift oder in Frage stellt. Emsige Aufklärungsarbeit an allen Fronten betreibt der Deutsche Bogenjagd Verband e.V. (www.dbjv.org). Teilerfolge sind bereits errungen worden, aber es gibt noch viel zu tun.

 
14. Ist der Jagdbogen eine Waffe?
Nein. Der (handgehaltene) Bogen fällt, im Gegensatz zur Armbrust, nicht unter das deutsche Waffengesetz, da er keine Sperrvorrichtung aufweist, die die gespeicherte Energie halten kann. Beim Bogen muss das ausschließlich der Schütze bzw. der Jäger tun. Unter Umständen könnte man ihn als effektives Schießgerät bezeichnen.

Der Begriff Waidwerkzeug trifft es beim Jagdbogen wohl am besten.


15. Kann man mittels Bogenjagd einen Abschussplan erfüllen?
Trotz der zielballistischen Effektivität eignet sich die Bogenjagd nur sehr bedingt bis gar nicht dazu, hohe Streckenzahlen zu erzeugen. Der erfolgreiche Einsatz des Jagdbogens ist sehr anspruchsvoll und kann durch seine eingeschränkte Reichweite mitunter auch sehr zeitintensiv sein. Legt man seinen jagdlichen Fokus einzig und allein auf die Erfüllung des Abschussplans, ist die Feuerwaffe die bessere Wahl. Als ergänzende Jagdmethode hat die Bogenjagd aber durchaus ihre Vorteile, auch in Deutschland.


16. Welche echten Vorteile hat die Jagd mit Pfeil und Bogen gegenüber der Jagd mit der Feuerwaffe oder „Warum wollen Sie ausgerechnet in Deutschland mit dem Bogen jagen?“ ?

Neben dem unter 5. beschriebenen verminderten Schmerzempfinden des Tieres, so wie es auch der Gesetzgeber fordert (Tierschutzgesetz §4, Abs.1), ist dem Einsatz der Bogenjagd in manchen Fällen der Vorzug zu geben. Hier einige unbestreitbare Vorteile:

- Jagdausübung im urbanen Bereich
Im Vergleich zur Jagd mit der Büchse ist das Gefährdungspotential durch Geschosse oder Teile davon bei der Jagdausübung mittels Bogen in Siedlungsgebieten wesentlich geringer. Hinzu kommt die geringe Geräuschemission und somit keine Belästigung der Anwohner. Die zielführende Bekämpfung einer Schwarzwildplage innerhalb von großstädtischen Randgebieten sei hier nur beispielhaft erwähnt.

- Jagdreviere an Stadtgrenzen

Wer ein Revier pachtet, welches praktisch „nahtlos“ in Stadt- oder Siedlungsgebiete übergeht, steht ebenfalls vor dem großen Problem der Hinterlandgefährdung. Solche Reviere sind zudem naturgemäß sehr stark von Wanderern, Sportlern oder sonstigen Mitmenschen frequentiert, was bei jeder Schussabgabe mit der Feuerwaffe ein Gefahrenpotential in sich birgt, das der Jäger, selbst bei aller Vorsicht, aus seiner Position heraus allein zuweilen gar nicht überschauen kann.
Beispielszenario:
Der Siedlungsrand liegt auf einem Hügel (kaum ausreichender Kugelfang), zu jeder Zeit und Unzeit reichlich Erholungssuchende ringsum auf den Wegen und auch abseits davon, die ersten Wohnhäuser einige hundert Meter in einem Tal dahinter, der Landwirt hat den Hügel vollends mit Mais bewirtschaftet, die Wildschadenssumme ist laut Pachtvertrag nicht gedeckelt. Viel Spaß!

- Bessere Wildfleischqualität

Durch die meist fehlenden Stresshormone, in Einheit mit dem raschen, großvolumigen Ausschweißen der Jagdbeute sowie dem Ausbleiben einer Verunreinigung durch das Geschoss, erhält der Bogenjäger das wohl hochwertigste Wildbret in bester Bioqualität, das man sich vorstellen kann. Der glatte Schnitt der scharfen Jagdspitze verursacht so gut wie keine Hämatome. Die Frage nach der Wahl des Geschosses „Bleihaltig oder bleifrei?“ stellt sich dem Bogenjäger gar nicht.

- Korrektes Ansprechen des Wildes

Durch die systemimmanente Nähe des Bogenjägers zum Wild, kann das Ansprechen des Wildes wesentlich genauer vorgenommen und Fehlabschüsse minimiert bis ausgeschlossen werden.

- Kaum Jagdunfälle

Einen „versehentlich erlegten“ Pilzsucher oder ein gestrecktes Pony wird es bei der Bogenjagd nicht geben.
Jagdunfälle, die auf die Verwendung von Pfeil und Bogen zurückzuführen sind, sind extrem selten. Unbeabsichtigtes Beschießen von Menschen gibt es so gut wie gar nicht. Ebenso wenig kann der Bogen „geladen“ liegengelassen oder transportiert werden. Aus diesem Grund fallen Pfeil und Bogen, im Gegensatz zur Armbrust, nicht unter das deutsche Waffengesetz.

Auch nicht zu vernachlässigen:

- Einsatz in Zuchtgattern

Durch die Entnahme einzelner Stücke mittels Pfeil und Bogen in den Gattern von wildfleischproduzierenden Betrieben bliebe den verbleibenden Tieren, neben der geringeren Gefährdung, auch jede Menge Stress erspart. Ein Zusammentreiben wäre ebenso wenig notwendig wie der Einsatz von Feuerwaffen. Rein rechtlich wäre dies zwar keine echte Jagdausübung, sondern eine besonders stressarme und tiergerechte Form der Schlachtung, aber auch hier hätte die Methode Bogenjagd ein sinnvolles Einsatzgebiet.


- Selbstdisziplin und Schießvermögen

Die Jagdmethode Bogenjagd erfordert ein regelmäßiges Training. Auch mit bester technischer Ausstattung und modernen Zielhilfen muss der verantwortungsbewusste Bogenjäger sein Schießvermögen optimieren und aufrechterhalten, will er „im Moment der Wahrheit“ erfolgreich sein.
Ein verantwortungsbewusster Bogenjäger wird nur dann einen Schuss abgeben, wenn sich die Möglichkeit für einen perfekten Treffer auf ihrem Maximum befindet. Ein Hinterherschleudern von Projektilen auf flüchtendes Wild, nach dem Motto „...die Kugel wird’s schon richten...“, wird der Bogenjäger nicht unternehmen, da er weiß, dass so etwas zwangsläufig nicht funktionieren kann. Beinahe könnte man sagen, dass die Ausübung der Bogenjagd die Jägerpersönlichkeit charakterlich zu mehr Selbstverantwortung erziehen kann.
Der bereits erwähnte Deutsche Bogenjagd Verband e.V. verlangt übrigens eine Wiederholung der Schießprüfung alle 5 Jahre.

 

17. Wie wird man Bogenjäger?
Eine zunehmende Zahl an Menschen interessiert sich für die Thematik Bogenjagd. Tatsächlich habe ich in vielen hundert Gesprächen und Diskussionen die folgenden Äußerungen wortgleich oder zumindest sinngemäß identisch von Jägern UND Nichtjägern immer wieder zu hören bekommen:

„Würde die Bogenjagd in Deutschland gesetzlich legitimiert werden, wäre ich sofort dabei.“ oder auch „Bei einer Einführung der Bogenjagd in Deutschland, würde ich sofort den deutschen Jagdschein machen.“
Vor allem die letzte Äußerung sollte bei den Verantwortlichen in den Jagdverbänden, -vereinen oder sonstigen jagdlichen Interessensgruppen mindestens zweimal in den Ohren klingeln, wenn man sich mal wieder über die rückläufigen Zahlen im Nachwuchsbereich wundert.

Menschen, die sich für die Jagdausübung mit Pfeil und Bogen interessieren, haben in der Regel unterschiedliche Hintergründe. Oft sind es Jäger, die durch irgendeine, meist zufällige Begebenheit mit der Bogenjagd in Kontakt gekommen sind. Sie haben sich sachlich mit der Thematik auseinandergesetzt und sind von dieser Jagdmethode und ihren Vorteilen innerhalb der entsprechenden Einsatzgebiete überzeugt. Da diese Menschen als bereits ausgebildete und geprüfte Waidmänner eigentlich „nur“ noch den Umgang mit diesem neuen Werkzeug erlernen müssen, ist der Weg zum Bogenjäger relativ kurz.
Auch gibt es Bogenschützen, die plötzlich das Jagdfieber gepackt hat, selbst wenn ihre jagdlichen Erfahrungen noch gering seien mögen. Spätberufene gibt es überall. Interessenten, die weder einen bogensportlichen, noch einen jagdlichen Hintergrund besitzen, haben es natürlich am schwersten. Den beiden Letztgenannten sei als allererste Maßnahme angeraten, mit sich selbst die Frage zu klären: „Bin ich ein Jäger oder möchte ich einfach nur mal jagen gehen?“
Die Jagd an sich wird in der unaufgeklärten Öffentlichkeit ohnehin nur zu gerne auf das Erlegen von Wildtieren reduziert. Jeder geschulte und geprüfte Jäger sowie Menschen, die sich sachlich und fachlich kundig gemacht haben, wissen sehr wohl, dass der Vorgang des erfolgreichen Beutemachens nur einen Bruchteil der Jagdausübung darstellt.
Natürlich kann man als reiner Bogenschütze mit den entsprechenden finanziellen Mitteln eine Auslandsjagd buchen. Mit einer geliehenen Büchse geht das ebenso. Vor Ort ist sodann ein Jagdführer dabei, der entsprechend steuern kann, welches Wild erlegt wird. Diese Jagdkollegen mögen zwar als geübte Schützen das Wild sauber erlegen, jedoch machen sie sich als reiner „Jagdtourist“ in der heutigen Zeit stets angreifbar und liefern Jagdgegnern unnötigerweise auch noch Munition, wenn sie keinen echten jagdlichen Hintergrund mit entsprechender Ausbildung vorweisen können. Die Erlangung des deutschen Jagdscheins sollte deshalb von jedem Bogenjagdinteressierten auf kurz oder lang angestrebt werden.
Diverse Unterrichtskurse im Bereich Bogenjagd findet man bei einer Recherche im Internet recht schnell. Die fachliche Qualität vorab zu bewerten ist schwierig. Das möchte ich mir an dieser Stelle auch nicht anmaßen. Einen Bogenjagdschein in Ergänzung zum deutschen Jagdschein kann man jedoch ausschließlich bei der „Bowhunter Education“ des Deutschen Bogenjagd Verbandes e.V. (www.dbjv.org) erwerben. Aufgrund der vorherrschenden Gesetzeslage legitimiert dieser Schein den Inhaber in Deutschland zwar noch nicht zur Ausübung der Bogenjagd, aber der DBJV ist als Mitglied der European Bowhunting Federation (www.europeanbowhunting.org) sowie der europäischen Dachorganisation FACE (www.face.eu) die einzig anerkannte Stelle, die diesen Bogenjagdschein ausstellen darf. Dieser wird sodann, meist in Kombination mit dem deutschen Jagdschein, in einigen europäischen Ländern zur Vorlage als Befähigungsnachweis verlangt. Dasselbe gilt natürlich für unsere Freunde aus Österreich, die sich ebenso für die Anerkennung der Bogenjagd engagieren. Die Bowhunting Federation Austria (http://www.austrianbowhunting.at) ist hierbei der Ansprechpartner für die Ausbildung und Vertretung der österreichischen Bogenjäger.

Zusammengefasst
Der Schritt vom Jäger zum Bogenjäger bedeutet keineswegs eine Abkehr von der Feuerwaffe hin zum Bogen. Es gilt lediglich etwas dazuzulernen, das der normale Jägerlehrgang nicht bieten kann. Auch wenn der Bogenjagd meine größte jagdliche Leidenschaft zufällt, genieße ich die heimischen Reviergänge mit meiner treuen Mauser M03 kaum weniger.
Das Ausbildungsangebot des DBJV wird gerade novelliert und umstrukturiert. Dieser Verband ist in Deutschland stets der erste Ansprechpartner für alle Bogenjagdinteressierten.

Nichtjägern rate dringend als Erstes zu einer fachlichen Ausbildung wie sie eben der deutsche Jagdschein bietet, bevor sie in Erwägung ziehen, den ersten Pfeil in Richtung eines Wildtieres fliegen zu lassen, selbst wenn dies an der entsprechenden Örtlichkeit legal und kontrolliert erfolgt. Das Ansehen der Jägerschaft im Auge der Öffentlichkeit und des Gesetzgebers und somit der Fortbestand der Jagdausübung nicht nur hierzulande, ist ganz entscheidend vom Verhalten derjenigen abhängig, die sich jagdlich betätigen. Würde dies zu einem Verbot der kontrollierten und nachhaltigen Jagdausübung führen, so wie es manche ideologisch verblendeten Zeitgenossen gerne hätten, wäre dies das irreversible Ende der Natur in ihrer Vielfalt wie wir sie kennen und schätzen.

 Es gilt festzuhalten:
Der Bogenjäger ist kein Bogenschütze, der mal eben jagen geht.
Der Bogenjäger ist ein ausgebildeter und geprüfter Jäger, der es versteht, neben Feuerwaffen und anderen üblichen Waidwerkzeugen, auch Pfeil und Bogen erfolgreich, effektiv sowie waid-und tierschutzgerecht einzusetzen.

 


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