Die Bogenjagd (2)

 

13. Ist die Bogenjagd eher Jagd oder Sport?
14. Ist der Jagdbogen eine Waffe?

15. Kann man mittels Bogenjagd einen Abschussplan erfüllen?
16. Welche echten Vorteile hat die Jagd mit Pfeil und Bogen gegenüber der Jagd mit der Feuerwaffe oder „Warum wollen Sie ausgerechnet in Deutschland mit dem Bogen jagen“?
17. Wie wird man Bogenjäger?

 

13. Ist die Bogenjagd eher Jagd oder Sport?
Manche Kritiker aus den Reihen der Gewehrjäger unterstellen der Jagdmethode Bogenjagd zuweilen, eher eine Sport-, denn eine Jagdausübung darzustellen. Wie sie darauf kommen, lässt sich wohl nur durch den tatsächlichen Mangel an validen Argumenten begründen und stellt einen fachlich recht unbeholfenen Versuch von Diskreditierung dar. Die Bogenjagd als „Sport“ einzuordnen, ist grundlegend falsch und zeugt von erschreckender Unkenntnis der Thematik. Jagdpfeil und Jagdbogen sind ausschließlich als ergänzende Waidwerkzeuge zu betrachten, welche in einigen jagdlichen Einsatzgebieten deutliche Vorteile haben und mitunter der Feuerwaffe vorzuziehen sind. Ähnlich dem Greifvogel, der Falle oder dem Jagdhund. Eine, den normalen (deutschen) Jagdschein ergänzende Prüfung zum Bogenjäger wäre hier sodann selbstverständlich verpflichtend.

Mehr "Spaß" an der Jagd und die Suche nach einem „Kick“, sind weitere Äußerungen, die man zuweilen von kritischen Jagdkollegen zu hören und zu lesen bekommt. Das ehrenvolle Waidwerk nach alter Väter Sitte „darf natürlich keinen Spaß machen“. Ersetzt man hingegen bei der Begrifflichkeit „Spaß an der Jagd“ das Wort „Spaß“ durch das Wort „Freude“, müssen sich diese Herrschaften recht schnell an den eigenen Hut fassen. Ob nun einem Jäger, der Pfeil und Bogen benutzt, ein „Kick“, also eine emotionale Stimulation, demnach auch ein intensiveres Jagderlebnis widerfährt, können aber wohl nur diejenigen beantworten, die auch mit dem Bogen jagen. Als Gewehr-, Fallen-, Beiz- und Bogenjäger kann ich jedoch sagen: Einen solchen „Kick“ verspürt wohl fast ein jeder Jäger. Bei sich selbst nennen ihn die meisten gerne „Passion“.
Ein naturbewahrendes Ehrenamt mit Passion, also mit Leidenschaft, unbenommen des verwendeten Werkzeugs, auszuüben, sollte man sich nicht als Makel anlasten. De facto gibt es kein einziges valides Argument gegen die Legitimierung der Bogenjagd, das nicht auch zugleich die Jagdausübung an sich angreift oder in Frage stellt. Emsige Aufklärungsarbeit an allen Fronten betreibt der Deutsche Bogenjagd Verband e.V. (www.dbjv.org). Teilerfolge sind bereits errungen worden, aber es gibt noch viel zu tun.

 
14. Ist der Jagdbogen eine Waffe?
Nein. Der (handgehaltene) Bogen fällt, im Gegensatz zur Armbrust, nicht unter das deutsche Waffengesetz, da er keine Sperrvorrichtung aufweist, die die gespeicherte Energie halten kann. Beim Bogen muss das ausschließlich der Schütze bzw. der Jäger tun. Unter Umständen könnte man ihn als effektives Schießgerät bezeichnen.

Der Begriff Waidwerkzeug trifft es beim Jagdbogen wohl am besten.


15. Kann man mittels Bogenjagd einen Abschussplan erfüllen?
Trotz der zielballistischen Effektivität eignet sich die Bogenjagd nur sehr bedingt bis gar nicht dazu, hohe Streckenzahlen zu erzeugen. Der erfolgreiche Einsatz des Jagdbogens ist sehr anspruchsvoll und kann durch seine eingeschränkte Reichweite mitunter auch sehr zeitintensiv sein. Legt man seinen jagdlichen Fokus einzig und allein auf die Erfüllung des Abschussplans, ist die Feuerwaffe die bessere Wahl. Als ergänzende Jagdmethode hat die Bogenjagd aber durchaus ihre Vorteile, auch in Deutschland.


16. Welche echten Vorteile hat die Jagd mit Pfeil und Bogen gegenüber der Jagd mit der Feuerwaffe oder „Warum wollen Sie ausgerechnet in Deutschland mit dem Bogen jagen?“ ?

Neben dem unter 5. beschriebenen verminderten Schmerzempfinden des Tieres, so wie es auch der Gesetzgeber fordert (Tierschutzgesetz §4, Abs.1), ist dem Einsatz der Bogenjagd in manchen Fällen der Vorzug zu geben. Hier einige unbestreitbare Vorteile:

- Jagdausübung im urbanen Bereich
Im Vergleich zur Jagd mit der Büchse ist das Gefährdungspotential durch Geschosse oder Teile davon bei der Jagdausübung mittels Bogen in Siedlungsgebieten wesentlich geringer. Hinzu kommt die geringe Geräuschemission und somit keine Belästigung der Anwohner. Die zielführende Bekämpfung einer Schwarzwildplage innerhalb von großstädtischen Randgebieten sei hier nur beispielhaft erwähnt.

- Jagdreviere an Stadtgrenzen

Wer ein Revier pachtet, welches praktisch „nahtlos“ in Stadt- oder Siedlungsgebiete übergeht, steht ebenfalls vor dem großen Problem der Hinterlandgefährdung. Solche Reviere sind zudem naturgemäß sehr stark von Wanderern, Sportlern oder sonstigen Mitmenschen frequentiert, was bei jeder Schussabgabe mit der Feuerwaffe ein Gefahrenpotential in sich birgt, das der Jäger, selbst bei aller Vorsicht, aus seiner Position heraus allein zuweilen gar nicht überschauen kann.
Beispielszenario:
Der Siedlungsrand liegt auf einem Hügel (kaum ausreichender Kugelfang), zu jeder Zeit und Unzeit reichlich Erholungssuchende ringsum auf den Wegen und auch abseits davon, die ersten Wohnhäuser einige hundert Meter in einem Tal dahinter, der Landwirt hat den Hügel vollends mit Mais bewirtschaftet, die Wildschadenssumme ist laut Pachtvertrag nicht gedeckelt. Viel Spaß!

- Bessere Wildfleischqualität

Durch die meist fehlenden Stresshormone, in Einheit mit dem raschen, großvolumigen Ausschweißen der Jagdbeute sowie dem Ausbleiben einer Verunreinigung durch das Geschoss, erhält der Bogenjäger das wohl hochwertigste Wildbret in bester Bioqualität, das man sich vorstellen kann. Der glatte Schnitt der scharfen Jagdspitze verursacht so gut wie keine Hämatome. Die Frage nach der Wahl des Geschosses „Bleihaltig oder bleifrei?“ stellt sich dem Bogenjäger gar nicht.

- Korrektes Ansprechen des Wildes

Durch die systemimmanente Nähe des Bogenjägers zum Wild, kann das Ansprechen des Wildes wesentlich genauer vorgenommen und Fehlabschüsse minimiert bis ausgeschlossen werden.

- Kaum Jagdunfälle

Einen „versehentlich erlegten“ Pilzsucher oder ein gestrecktes Pony wird es bei der Bogenjagd nicht geben.
Jagdunfälle, die auf die Verwendung von Pfeil und Bogen zurückzuführen sind, sind extrem selten. Unbeabsichtigtes Beschießen von Menschen gibt es so gut wie gar nicht. Ebenso wenig kann der Bogen „geladen“ liegengelassen oder transportiert werden. Aus diesem Grund fallen Pfeil und Bogen, im Gegensatz zur Armbrust, nicht unter das deutsche Waffengesetz.

Auch nicht zu vernachlässigen:

- Einsatz in Zuchtgattern

Durch die Entnahme einzelner Stücke mittels Pfeil und Bogen in den Gattern von wildfleischproduzierenden Betrieben bliebe den verbleibenden Tieren, neben der geringeren Gefährdung, auch jede Menge Stress erspart. Ein Zusammentreiben wäre ebenso wenig notwendig wie der Einsatz von Feuerwaffen. Rein rechtlich wäre dies zwar keine echte Jagdausübung, sondern eine besonders stressarme und tiergerechte Form der Schlachtung, aber auch hier hätte die Methode Bogenjagd ein sinnvolles Einsatzgebiet.


- Selbstdisziplin und Schießvermögen

Die Jagdmethode Bogenjagd erfordert ein regelmäßiges Training. Auch mit bester technischer Ausstattung und modernen Zielhilfen muss der verantwortungsbewusste Bogenjäger sein Schießvermögen optimieren und aufrechterhalten, will er „im Moment der Wahrheit“ erfolgreich sein.
Ein verantwortungsbewusster Bogenjäger wird nur dann einen Schuss abgeben, wenn sich die Möglichkeit für einen perfekten Treffer auf ihrem Maximum befindet. Ein Hinterherschleudern von Projektilen auf flüchtendes Wild, nach dem Motto „...die Kugel wird’s schon richten...“, wird der Bogenjäger nicht unternehmen, da er weiß, dass so etwas zwangsläufig nicht funktionieren kann. Beinahe könnte man sagen, dass die Ausübung der Bogenjagd die Jägerpersönlichkeit charakterlich zu mehr Selbstverantwortung erziehen kann.
Der bereits erwähnte Deutsche Bogenjagd Verband e.V. verlangt übrigens eine Wiederholung der Schießprüfung alle 5 Jahre.

 

17. Wie wird man Bogenjäger?
Eine zunehmende Zahl an Menschen interessiert sich für die Thematik Bogenjagd. Tatsächlich habe ich in vielen hundert Gesprächen und Diskussionen die folgenden Äußerungen wortgleich oder zumindest sinngemäß identisch von Jägern UND Nichtjägern immer wieder zu hören bekommen:

„Würde die Bogenjagd in Deutschland gesetzlich legitimiert werden, wäre ich sofort dabei.“ oder auch „Bei einer Einführung der Bogenjagd in Deutschland, würde ich sofort den deutschen Jagdschein machen.“
Vor allem die letzte Äußerung sollte bei den Verantwortlichen in den Jagdverbänden, -vereinen oder sonstigen jagdlichen Interessensgruppen mindestens zweimal in den Ohren klingeln, wenn man sich mal wieder über die rückläufigen Zahlen im Nachwuchsbereich wundert.

Menschen, die sich für die Jagdausübung mit Pfeil und Bogen interessieren, haben in der Regel unterschiedliche Hintergründe. Oft sind es Jäger, die durch irgendeine, meist zufällige Begebenheit mit der Bogenjagd in Kontakt gekommen sind. Sie haben sich sachlich mit der Thematik auseinandergesetzt und sind von dieser Jagdmethode und ihren Vorteilen innerhalb der entsprechenden Einsatzgebiete überzeugt. Da diese Menschen als bereits ausgebildete und geprüfte Waidmänner eigentlich „nur“ noch den Umgang mit diesem neuen Werkzeug erlernen müssen, ist der Weg zum Bogenjäger relativ kurz.
Auch gibt es Bogenschützen, die plötzlich das Jagdfieber gepackt hat, selbst wenn ihre jagdlichen Erfahrungen noch gering seien mögen. Spätberufene gibt es überall. Interessenten, die weder einen bogensportlichen, noch einen jagdlichen Hintergrund besitzen, haben es natürlich am schwersten. Den beiden Letztgenannten sei als allererste Maßnahme angeraten, mit sich selbst die Frage zu klären: „Bin ich ein Jäger oder möchte ich einfach nur mal jagen gehen?“
Die Jagd an sich wird in der unaufgeklärten Öffentlichkeit ohnehin nur zu gerne auf das Erlegen von Wildtieren reduziert. Jeder geschulte und geprüfte Jäger sowie Menschen, die sich sachlich und fachlich kundig gemacht haben, wissen sehr wohl, dass der Vorgang des erfolgreichen Beutemachens nur einen Bruchteil der Jagdausübung darstellt.
Natürlich kann man als reiner Bogenschütze mit den entsprechenden finanziellen Mitteln eine Auslandsjagd buchen. Mit einer geliehenen Büchse geht das ebenso. Vor Ort ist sodann ein Jagdführer dabei, der entsprechend steuern kann, welches Wild erlegt wird. Diese Jagdkollegen mögen zwar als geübte Schützen das Wild sauber erlegen, jedoch machen sie sich als reiner „Jagdtourist“ in der heutigen Zeit stets angreifbar und liefern Jagdgegnern unnötigerweise auch noch Munition, wenn sie keinen echten jagdlichen Hintergrund mit entsprechender Ausbildung vorweisen können. Die Erlangung des deutschen Jagdscheins sollte deshalb von jedem Bogenjagdinteressierten auf kurz oder lang angestrebt werden.
Diverse Unterrichtskurse im Bereich Bogenjagd findet man bei einer Recherche im Internet recht schnell. Die fachliche Qualität vorab zu bewerten ist schwierig. Das möchte ich mir an dieser Stelle auch nicht anmaßen. Einen Bogenjagdschein in Ergänzung zum deutschen Jagdschein kann man jedoch ausschließlich bei der „Bowhunter Education“ des Deutschen Bogenjagd Verbandes e.V. (www.dbjv.org) erwerben. Aufgrund der vorherrschenden Gesetzeslage legitimiert dieser Schein den Inhaber in Deutschland zwar noch nicht zur Ausübung der Bogenjagd, aber der DBJV ist als Mitglied der European Bowhunting Federation (www.europeanbowhunting.org) sowie der europäischen Dachorganisation FACE (www.face.eu) die einzig anerkannte Stelle, die diesen Bogenjagdschein ausstellen darf. Dieser wird sodann, meist in Kombination mit dem deutschen Jagdschein, in einigen europäischen Ländern zur Vorlage als Befähigungsnachweis verlangt. Dasselbe gilt natürlich für unsere Freunde aus Österreich, die sich ebenso für die Anerkennung der Bogenjagd engagieren. Die Bowhunting Federation Austria (http://www.austrianbowhunting.at) ist hierbei der Ansprechpartner für die Ausbildung und Vertretung der österreichischen Bogenjäger.

Zusammengefasst
Der Schritt vom Jäger zum Bogenjäger bedeutet keineswegs eine Abkehr von der Feuerwaffe hin zum Bogen. Es gilt lediglich etwas dazuzulernen, das der normale Jägerlehrgang nicht bieten kann. Auch wenn der Bogenjagd meine größte jagdliche Leidenschaft zufällt, genieße ich die heimischen Reviergänge mit meiner treuen Mauser M03 kaum weniger.
Das Ausbildungsangebot des DBJV wird gerade novelliert und umstrukturiert. Dieser Verband ist in Deutschland stets der erste Ansprechpartner für alle Bogenjagdinteressierten.

Nichtjägern rate dringend als Erstes zu einer fachlichen Ausbildung wie sie eben der deutsche Jagdschein bietet, bevor sie in Erwägung ziehen, den ersten Pfeil in Richtung eines Wildtieres fliegen zu lassen, selbst wenn dies an der entsprechenden Örtlichkeit legal und kontrolliert erfolgt. Das Ansehen der Jägerschaft im Auge der Öffentlichkeit und des Gesetzgebers und somit der Fortbestand der Jagdausübung nicht nur hierzulande, ist ganz entscheidend vom Verhalten derjenigen abhängig, die sich jagdlich betätigen. Würde dies zu einem Verbot der kontrollierten und nachhaltigen Jagdausübung führen, so wie es manche ideologisch verblendeten Zeitgenossen gerne hätten, wäre dies das irreversible Ende der Natur in ihrer Vielfalt wie wir sie kennen und schätzen.

 Es gilt festzuhalten:
Der Bogenjäger ist kein Bogenschütze, der mal eben jagen geht.
Der Bogenjäger ist ein ausgebildeter und geprüfter Jäger, der es versteht, neben Feuerwaffen und anderen üblichen Waidwerkzeugen, auch Pfeil und Bogen erfolgreich, effektiv sowie waid-und tierschutzgerecht einzusetzen.

 


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