Bogen, Büffel, Billabongs

 

Die Jagd nach dem afrikanischen Kaffernbüffel mit Pfeil und Bogen gehört zu meinen „Hunt-of-a-lifetime“-Träumen (eigentlich ein blöder, weil unlogischer Begriff), seitdem ich im Jahre 2000 das erste Mal auf dem Schwarzen Kontinent waidwerkte.

Jahr für Jahr wurden die Pläne diesbezüglich verschoben. Meistens waren die Gründe finanzieller Art. Aber auch berufliche Zusatzausbildungen forderten ihren Tribut hinsichtlich des persönlichen Freizeitkontingents. „Vor dem 50ten Geburtstag sollte es sein!!“ war stets das angestrebte Ziel. Nun, im Jahreswechsel 2011/12, stand der 44. Geburtstag in wenigen Monaten vor der Tür, die DVDs von Rainer Jösch bei der Jagd nach alten, reifen Büffeln in den Bergen Tansanias mehrfach konsumiert, erreichte mich im November 2011 eine „Private Message“ auf dem amerikanischen Bogensport und –jagd-Internetforum „ArcheryAddix“.

Eugene Brink, gebürtiger Südafrikaner, der seit einigen Jahren in Australien lebt, schreibt mir ein paar Zeilen. Vor wenigen Jahren hatte er mal Jagdspitzen bei mir gekauft und in 2011 das erste Mal erfolgreich auf den asiatischen Wasserbüffel eingesetzt. Der Inhalt dieser Kurznachricht traf mich wie ein Donnerschlag. Es war nichts Geringeres als die Einladung auf eine Büffeljagd im australischen Outback der Northern Territories.

„Bring ruhig einen Freund mit. Jeder kann so 2 oder 3 Büffel schießen. Wildschweine und anderes Wild inklusive.“

Eugenes Jagdfreund Shane hat den jagdlichen Zugang zu dem Land der Aborigines in der nördlichen Provinz Arnhemland. Shane hat schon weit über hundert Büffel erlegt und möchte in Zukunft Jagdvideos produzieren, an denen auch ausländische Jäger beteiligt sind.
Eugene versicherte mir, dass der Wasserbüffel in diesem Gebiet in einer enormen Populationsdichte vorkommt und die Tiere meistens noch nie ein weißes Gesicht gesehen haben.
Da die Jagdausübung, vor allem, wenn sie so besonders ist, erst richtig Freude macht, wenn man sie mit jemandem teilen kann, fiel die Wahl meines Begleiters auf Ingo Kuhn. Ein sehr erfahrener Jäger, der jedoch den europäischen Kontinent bis dato noch nicht jagdlich verlassen hatte.
Ingo betreibt nicht nur mit seiner Frau Silvia das Bogensportgeschäft „Redneckpoint“ im thüringischen Schmalkalden; er führt ebenso die Jagdspitzenproduktion von German Kinetics fort, die ohne sein Engagement vollends hätte eingestellt werden müssen, da ich diesbezüglich ausgebrannt und beruflich anderweitig sehr beschäftigt war.

Für Ingo und mich war alles ziemlich unwirklich: „Büffel? Einladung? Das kann doch gar nicht sein.“

Eugene und Shane bestätigten dies aber nochmals. Ich glaube, ich habe drei oder vier Mal nachgefragt. Auch war die Befürchtung vorhanden, nach einem eventuellen Abschuss, ordentlich zur Kasse gebeten zu werden. Man kannte ja die Geschichten, vor allem aus Osteuropa.
Aber nichts dergleichen. Shane verfügt über eine Konzession für die Jagdausübung auf Aborigine-Land und führt solche Jagden in der Tat „zum Spaß“. Der zusätzliche Erlös durch den Verkauf der geplanten Jagd-DVD, aufgenommen durch den erfahren Naturfilmer und Jäger Paul Woods, genügte ihm als Entlohnung vollauf. Er hat für die Zukunft eine professionelle Betätigung bezüglich der Führung von Jagden ins Auge gefasst und plant bereits „Paketangebote“. Doch der Reihe nach.

Vorbereitungen und Anreise
Ingo und ich testeten reichlich unsere Ausrüstung, vor allem die Pfeile. Während Ingo bei FMJ DG250 mit 850gr. Gewicht blieb, schwenkte ich einige Wochen vor Abreise noch auf die VAP 250 um, welche in meinen Tests extreme Tiefenwirkung erzielten und die ich mittels Innenschaft aus Messing und Karbon auf 730gr. brachte.

AbreiseBereits das Packen für die Reise gestaltete sich nicht einfach. Zwar hatte ich durch die guten Beziehungen meines Reisekaufmanns 10 kg Extragepäck genehmigt bekommen, aber auch diese 30 kg waren mit 2 Bögen und 24 schweren Pfeilen nicht einzuhalten. Ich entschied mich für meinen alten Elite XXL, da ich diesen ohne Presse warten konnte. Der eigens für diese Jagd angeschaffte BowTech Insanity CPXL blieb also daheim.
Die Anreise mit Stop-over in Singapur war mit deutlich über 20 Stunden anstrengend, aber erträglich. Glücklicherweise wurde unser Gepäck bis Darwin durchgecheckt, sodass wir nur noch mit dem Handgepäck die extrem strengen Kontrollen am Flughafen in Singapur über uns ergehen lassen mussten.
Ich hatte sicherheitshalber zuvor unser Archery-Sportgepäck von Singapore Airlines bestätigen lassen. Der Transport von Waffen nach und durch Singapur, auch durchgecheckt, ist nämlich verboten und bringt dem Reisenden bis zu 5 Jahren vergitterten Zusatzurlaub ein. Wer also über Singapur nach Australien zur Büchsenjagd möchte, sollte unbewaffnet fliegen und die Büchse seines Outfitters nutzen. Außer, dass die übertrieben gewissenhaften Damen bei der Kontrolle meine Sonnencreme konfiszierten, da sie mit 125ml Inhalt über den erlaubten 100ml pro Gebinde lag, ging alles glatt.
Morgens früh um 2.00Uhr landeten wir in Darwin, wo Shane uns schon erwartete. Zuvor mussten wir noch den australischen Zollbehörden erklären, was wir da transportieren und was wir damit vorhaben, aber das verlief problemlos. Für die Jagd hat in dePackingn Northern Territories fast ein Jeder Verständnis oder teilt sogar unsere Begeisterung, ließ uns Shane später wissen. (Traumhafte Zustände im Vergleich zu Deutschland)
In Shanes Haus angekommen bezogen wir das Gästezimmer und quatschen noch fast bis zum Morgengrauen. Den folgenden Tag nutzen wir zum Einkaufen für unseren Trip. Abends trafen wir sodann Eugene und zwei weitere Jungs, die ich bislang nur aus dem Forum kannte, in einem Strandlokal. Einige Bierchen und viele haarsträubende Jagdgeschichten später mussten wir aber ins Bett, um für die Anreise ins Jagdgebiet fit zu sein. Vor uns lagen 300 km Asphalt, 600 km Sandpiste und knapp 80 km Querfeldein bis zur Balma Aboriginal Community. Dank der Vorbereitungen war der Landcruiser schnell gepackt. Kofferraum und Roof-Rack waren voll. Shane nahm keinen Bogen mit. Allerdings durfte seine Angelausrüstung keinesfalls fehlen. Endlich ging es los zur Büffeljagd!

Einige Informationen vorab

Man muss wissen, dass der asiatische Wasserbüffel im 19ten Jahrhundert als Arbeitstier nach Australien gebracht wurde. Es handelt sich also um eine „feral species“, welche die erstklassigen Lebensbedingungen bei reichlichem Nahrungsangebot und kaum Feinden auf dem fünften Kontinent mit einer enormen Populationsvergrößerung quittierte. Neben wilden Eseln, Pferden, Kamelen, Ziegen, Schweinen, Wildrindern (Scrub Bulls) und anderen Arten müssen auch die Wasserbüffel regelmäßig bejagt werden, um die Anzahl in einem erträglichen Maß zu halten. Anfang der 1990er Jahre startete die Regierung der Northern Territories eine großangelegte „Culling-Aktion“ per Hubschrauber, da die ersten Büffelpopulationen bereits die Stadtgrenzen von Darwin besiedelt hatten und die Gefahr der Übertragung von Rindertuberkulose auf das Nutzvieh befürchtet wurde. Der Bestand der Büffel wurde um ca. 1 Million Tiere dezimiert.

Nicht-indigene Spezies haben in Australien keine Jagd-Saison. Sie können das ganze Jahr, rund um die Uhr und mit allen erdenklichen Waffen gejagt und erlegt werden. Auf den „Australian way of hunting“ muss man sich allerdings einlassen können. Die ethische Herangehensweise für eine erfolgreiche Jagd ist im Vergleich zu Deutschland ein krasser Gegensatz.
Bei den meisten australischen Jägern wie wir sie bislang kennengelernt haben, zählt ganz klar nur das Endergebnis. Ohne jedwede Form von „Hermann-Löns-Romantik“ und postulierter Waidgerechtigkeit geht es hier zur Sache. Diese HOGDOGSEinstellung erinnert an die Zeiten, in denen die erfolgreiche Jagd das eigene Überleben sichern musste. Natürlich ist man auch hier darauf bedacht, saubere und schnell tödliche Treffer zu landen. Dies hat jedoch nicht das vermeidbare Leid für das Tier als Hintergrund, sondern die schlichte Tatsache, dass der Jagderfolg schneller und weniger mühsam eintritt. Beschrieb ich Shane die deutschen bzw. europäischen Jagdmethoden, erntete ich von einem Kopfschütteln bis zu schallendem Gelächter die ganze Palette menschlicher Ausdrucksweise von Unverständnis. Kaum jemand sucht in Australien angeschweißtes Wild länger als ein paar Meter nach. Man schießt einfach das nächste in der Reihe, wenn es beim ersten Mal nicht gepasst hat. Lediglich Jagdveranstalter, die überwiegend ausländische Jäger führen, passen sich nach außen hin den Gepflogenheiten der Klienten an, um diese nicht zu verärgern („The client is always right.“).
Hunde sind dafür da, Sauen zu packen, um letztere sodann per Messer durch den Jäger abzufangen. Einen Schweißhund zur Nachsuche kennt man hier nicht.

Sehr oft sah man Pick-Ups mit Zwinger. Speziell ausgerüstet für die Schweinejagd. Shane mag diese Jagdmethode gar nicht. Nicht wegen der Schweine, aber wegen der Hunde, die trotz Schutzausrüstung oft schwer verletzt oder getötet werden.

Freunde verlässlicher Geländewagen kommen in Australien übrigens voll auf ihre Kosten. Die meisten haben ein Lift-Kit verbaut. Unter 40 cm Bodenfreiheit fährt hier kaum jemand rum.
Man sieht zwar so ziemlich alle bekannten Modelle, jedoch beherrscht ein Fahrzeug, gleich welchen Baujahres, die Szene.
„Wer richtig weit raus in übles Gelände fernab von Werkstätten muss, fährt fast immer Toyota Landcruiser oder Hilux.“ sagte Shane.

Eine Weisheit, die mir schon in Afrika öfters zugetragen wurde und deren Wahrheitsgehalt ich auch noch eine Woche nach unserer Rückkehr in den Knochen spüren sollte.
Shane fährt einen großen Sechszylinder mit stabiler Bull-Bar und speziellen Differentialen. Während des ganzen Trips hatte er nur ein einziges Mal für eine Flussdurchquerung den Allradantrieb zugeschaltet. Verblüffend, wo diese Kiste überall hin- und durchmarschiert.

Die Tücken der Sandpiste
Auch das beste Auto nützt nichts, wenn es den Reifen zerlegt. Unsere Anreise zum Jagdcamp wurde dreimal jäh unterbrochen.

Zwei platte Reifen und ein Pärchen, das wir auf der Sandpiste aufgelesen hatten. Letztere sind mit einem Kühlerschaden an ihrem LandroverFlatOne liegengeblieben und hatten bereits 15km Fußmarsch in den Knochen. Wir brachten die beiden zurück in die letzte Aboriginal Community an der Sandpiste, was für uns 80 km extra und noch um eine Stunde verlängerte Fahrt bedeutete. Die Plattfüße waren weiter kein großes Problem. Shane flickte sogar einen Schlauch auf der Piste, nachdem er mal schnell den Reifen von der Felge gehebelt hatte.

Es lagen noch 200km vor uns und es war schon stockfinster als plötzlich ein mittelgroßer Büffel vor das Auto lief. Shane legte eine Vollbremsung hin. Dennoch traf das Auto mit der linken Front den Büffel mit ca. Tempo 30-40 km/h am Hinterteil und schleuderte das Tier aus seiner Spur. Wir stoppten sofort und stiegen aus. Der Bull-Bar war stabil genug, sodass an dem Auto erstaunlicherweise kein Schaden entstand. Mit starken Taschenlampen suchten wir nach dem Büffel, aber keine Spur. Offenbar war er doch noch recht gut zu Fuß. Wir setzten die Fahrt fort.

Ca. eine Stunde später begann der letzte und kniffligste Teil der Anreise. Shane bog einfach rechts in den Busch ab. Eine Art Waldweg konnte man allenfalls erahnen. Die folgende, knapp 80 km lange Strecke wäre ohne ein geländegängiges Fahrzeug nicht zu bewältigen gewesen und dauerte nochmals knapp 2 Stunden. Ziemlich müde kamen wir in Balma an. Diese Community bestand aus 8 Personen und 5 Häusern, welche teilweise bewohnt waren. Eine Telefonzelle mit großem Funkmast sowie ein Airstrip für Kleinflugzeuge waren ebenfalls vorhanden. Unser Quartier war das erste der 5 Häuser, welches in der Regel leer stand und nur zeitweise von Aborigines bewohnt wurde, die gerade bei „Bürgermeister“ Wesley zu Besuch waren.

Hier trafen wir auch schon auf das erste Problem. Das Haus war bis auf eine einfache Küche leer und vor allem dreckig!!!
Wie auch schon bei meinen Besuchen in Nordamerika und Südafrika, wurde ich auch hier ganz schnell von dem Mythos vom „edlen Wilden, der im Einklang mit der Natur lebt und stets vom bösen, weißen Besatzer ausgebeutet wird“ schlagartig befreit. Von den westlichen Mainstream-Medien wird diese Message ja immer noch brav, politisch korrekt indoktriniert.

„...und hier wohnen die Guten“, sagte Shane; „...geht mal in die Städte.“
Langsam begriffen wir, warum die Blech- und Beton-Häuser, die eigens für Aborigines entwickelt und gebaut wurden, vandalismus- und brandsicher sind.

„Was sie nicht kaputtschlagen können, zünden sie an.“ klärte uns Shane auf.

Es sei an dieser Stelle hervorgehoben, dass es unsererseits keinerlei Schwierigkeiten mit diesen Menschen gab. Wir hatten extra reichlich eingekauft, so dass es täglich Geschenke in Form von Lebensmitteln und vor allem Zigaretten gab, die von den Aborigines gern angenommen wurden. Das Verhältnis konnte man als freundlich und respektvoll distanziert beschreiben. Alkohol war absolut tabu. Deshalb wurde erst gar keiner mitgebracht.

„Gibt’s Du ihnen Alkohol, erschlagen sie sich gegenseitig“, meinte Shane
Aus einem eventuellen „Todtrinken“ der Jagdbeute wurde also nichts.

Shane achtete darauf, dass die kleinen Aufmerksamkeiten häppchenweise verteilt wurden.

„Würden wir ihnen alles auf einmal geben, wäre morgen alles aufgebraucht. Ein nachhaltiges Denken und Handeln gibt es hier nicht.“ meinte er.

matressDer Zustand unserer Unterkunft hat mich im ersten Moment etwas geschockt, doch es blieb keine andere Möglichkeit als das Beste daraus zu machen. Also, den wahrscheinlich einzigen Besen des Dorfes in die Hand genommen und durchgefegt. Unsere Nachlager bestanden aus mitgebrachten Schaumgummi-Polstermatten plus Laken und einem Schlafsack. Alles auf dem Fußboden. Ich wollte gar nicht drüber nachdenken, wer da alles schon drin gelegen hat.

Die Problematik: Abo house
Shane jagt hier auf Konzession der Aborigines und kann das Haus nicht für sich beanspruchen und einfach abschließen. Jegliche Investitionen bezüglich Möbel, Feldbetten etc. wären beim nächsten „Verwandtschaftsbesuch“ zerstört, unbrauchbar versifft oder gar nicht mehr vorhanden. Ebenso ist es kaum möglich eine Reinigung durchzuführen, bevor eventuelle Jagdgäste eintreffen. Das ginge höchstens sehr aufwendig per Flugzeug. Da Shane in Zukunft professionell Jagden führen möchte, wird er an einer Lösung arbeiten müssen.

Die Erschöpfung der langen Anreise inkl. der Flüge ließ uns dennoch recht schnell einschlafen.Trotz des ersten Schreckens, hatten Ingo und ich uns relativ schnell an diesen Zustand gewöhnt. Schließlich stand die Jagd im Vordergrund und wir konnten es kaum abwarten bis das erste Tageslicht den Busch erhellte.


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