Botswana - Der letzte Tag im Paradies 

Fast jedes Mal, wenn man unter Gleichgesinnten zusammensitzt, rückt unweigerlich irgendwann die Frage „Was wird die Zukunft wohl bringen?“ in den Mittelpunkt der Gespräche. Selbstredend ist hier die Zukunft der Jagd gemeint. So auch vor ca. 10 Tagen in der Lapa von Lindenhof/Namibia zwischen uns Jägern und dem Chef des Hauses. Betrachtet man die Gesamtsituation und zieht seine Schlüsse und Parallelen aus den Erfahrungen und Geschehnissen der Vergangenheit, so gelangt man recht schnell zu der Erkenntnis, dass unsere Generation wohl die letzte sein wird, die der Jagdausübung noch in einer einigermaßen ursprünglichen Form nachgehen kann. Unsere Kinder werden diese vielleicht noch kennenlernen, aber in wenigen Jahrzehnten wird sie wohl verschwunden sein. Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen wie die wachsende Bevölkerung, vor allem in Afrika, immer mehr Lebensraum vereinnahmt. Konflikte mit Wildtieren, unkontrollierter Raubbau an der Natur und Wilderei sind an der Tagesordnung. Politische Entscheidungen werden zum Wohle des eigenen Bankkontos gefällt, nicht zum Wohle des Landes.

Heute am 31.07.2013 ist es also soweit. Der letzte Tag im Paradies mit dem schönen Namen „Botswana“ ist angebrochen. Das totale Jagdverbot gilt zwar erst offiziell ab 2014, jedoch werden bis dato nur noch die bereits vorgebuchten Jagden durchgeführt. Leider hat man nichts aus den Fehlern von z.B. Kenia (Jagdverbot seit 1977 mit einem Populationsrückgang des Wildes von 40% allein bis 1996) gelernt und so wird es kommen, wie es kommen muss. Wildlebende, jagdbare Tiere werden mit einem Schlag außer Wert gesetzt. Der landbesitzenden Bevölkerung bleiben im Grunde nur noch Ackerbau und Viehzucht als Lebensgrundlage. Das, was früher Wildnis war, wird mit einem enormen Aufwand und viel Geld u.a. aus dem ohnehin winzigen Steuersäckel in landwirtschaftlich nutzbare Flächen umgewandelt. Die Wildtiere, auf deren guten Populationsbestand man zu Jagdzeiten stets genau geachtet hatte, sind plötzlich Schädlinge. Sie werden entsprechend bekämpft und ausgemerzt.

Bis auf wenige Nationalparks und ähnliche Einrichtungen wird der (Foto-)Tourist wohl kaum noch auf eine halbwegs intakte Wildnis treffen. Sind die Touristenbusse dann durch die „Wildnis“ an konditionierten Löwenrudeln und halbzahmen Antilopen vorbeigefahren, während der Reiseleiter stets das Wohlergehen der Tiere durch das Jagdverbot hervorgehoben hat, geht es abends ins schicke Restaurant auf ein Kudu-Steak oder ein Springbockfilet. Diese Tiere wurden natürlich von Park-Rangern (wieder auf Steuerkosten) erlegt und sind somit bestimmt nicht zufriedener gestorben als wenn sie ein Auslandsjäger erlegt hätte, der bei 10 Tagen Jagd nebenbei 5 Jahresgehälter eines Park-Rangers im Lande lässt, die direkt der Bevölkerung zugute kommen.

Zwangsläufig wird auch die Wilderei wieder zunehmen. Botswana ist Elefantenland. Die Population wurde durch Interventionen und finanzielle Zuwendungen an politische Entscheidungsträger u.a. seitens Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) wie diverse „Tierrechtsorganisationen“ auf ein extrem hohes Maß gebracht. Geschätzt wird die Überpopulation auf 50.000 bis 80.000 Tiere. Ist die Jagd einmal eingestellt, so wird die Bevölkerung ihre Interessen mit allen Mitteln durchsetzen. Dass diese Mittel zumeist weit entfernt davon liegen, was ein verantwortungsbewusster Jäger unter einem sauberen Abschuss versteht, kann sich ein Jeder selbst ausmalen. Die Auswirkung dieser hohen Elefantenpopulation auf die Natur und somit andere Wildarten sind bereits heute verheerend und können nur noch schlimmer werden.

Natürlich wird das Jagdverbot auch jede Menge Arbeitsplätze kosten. Vom Jagdveranstalter über den Berufsjäger und dessen Helfer bis hin zum Präparator und Logistiker werden ganze Existenzen vernichtet. Sämtliche Argumente, mit denen das Jagdverbot begründet wurde, sind an den Haaren herbeigezogen und nachweislich falsch. Leider waren die Entscheidungen des Menschen noch nie wirklich durch Vernunft geprägt. Es bleibt die Hoffnung für ein Umdenken. Ein solches wird sich wohl nur mit noch mehr Geld realisieren lassen, aber diese Lösung ist nicht in Sicht. In der Bevölkerung regt sich Widerstand. Ob sich die Machthaber davon beeindrucken lassen, ist zumindest unwahrscheinlich.

Wer Afrika noch nicht als Jäger wirklich erlebt hat (das Ansitzen am Wasserloch macht davon geschätzt nicht mal 3% aus), der sollte dies dringend in den nächsten Jahren nachholen, bevor es für immer verloren ist oder als reines „Wildlife-Management“ nur noch ein Abklatsch dessen darstellt, wovon Capstick, Roarke und Kai-Uwe Denker einst in ihren fesselnden Büchern schrieben.

MG

Weitere Quellen:
http://jagdwaffennetzwerk.blogspot.de/2012/11/jagd-in-botswana-endet-2014.html
http://www.nrahuntersrights.org/Article.aspx?id=7655

 


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