Besuch der Jagd & Hund 2013

Zugegeben, trotz der Größe und dem Umfang des Angebots, ist auch die bedeutende „Jagd & Hund“, die alljährlich in Dortmund ihre Pforten öffnet, nicht gerade eine goldene Fundgrube, wenn man mit dem Fokus eines Bogenjägers durch die Gänge pirscht oder besser gesagt, sich hindurchschlängelt wie durchJH2013 die Akazienbüsche des südafrikanischen Bushvelds. Durch die Tatsache, dass die Jagd mit Pfeil und Bogen hierzulande keine legitimierte Jagdmethode darstellt und nur für den Auslandsjäger interessant ist, kann man auch niemandem einen Vorwurf machen. Für die Jagd mit der Büchse im heimischen Revier bereits umfangreich ausgestattet, konzentrierte ich mich auf die Angebote, die speziell dem Bogenjäger von Nutzen sein könnten.


Da ich nur einen Tag zur Verfügung hatte, fiel bereits im Vorfeld die Entscheidung mich auf bogenjagdtaugliche Bekleidung, kompakte, hochwertige Ferngläser und vor allem internationale Jagdanbieter zu konzentrieren. Beim Thema Bekleidungsangebot kann man die Sache mit dem Satz abkürzen: „In Deutschland ist man ganz einfach noch nicht soweit.“ Natürlich findet man hochwertige, funktionelle und auch geruchshemmende Jagdbekleidung, aber eine eher enganliegende und vo
r allem geräuscharme Kombination, eventuell sogar noch in einem sinnvollen Tarnmuster, suchte man vergebens. Die mittlerweile recht bekannte Fa. Outfox stellt hierbei eine Ausnahme dar, auch wenn Realtree Camouflage nicht gerade ein ideales Tarnmuster darstellt. Die in der Fachpresse vielmals gepriesene Funktionalität im Bereich der Geruchsminimierung, konnte ich selbst noch nicht testen, aber bereits die Verarbeitungsqualität wusste zu gefallen. Etwas weniger die Geräuschemission des SoftshellsCamo. Hier würde ich dem Bogenjäger ein dünnes Lodenhemd als Deck- oder Zwischenlage oben drüber empfehlen. Auch wenn kaum ein traditioneller Jäger in grünem Loden ein Problem damit hat, sich im Winter ein „militärisches“ Schneehemd überzustreifen, wird das Thema Camouflage, wie so vieles, in der deutschen Jägerschaft recht kontrovers diskutiert. Entsprechend dünn oder besser gesagt „unbeholfen“, gestaltet sodann auch das Warenangebot hierzulande. Wer sich einmal etwas intensiver mit der visuellen Wahrnehmung von Tarnmustern bei Schalenwild beschäftigt hat, konnte bei der angebotenen Auswahl eher nur schmunzeln.

Jagdoptik

Ganz anders präsentierten sich die Anbieter hochwertiger Jagdoptik. Ich muss gestehen, ich habe eine persönliche Schwäche für teure Ferngläser und Spektive. Nicht nur die Abbildungsleistung, sondern auch Haptik und Ergonomie sind wichtige Faktoren für eine Kaufentscheidung. Das Preisschild versuche ich dabei immer „geistig auszublenden“. Die Jagdoptik für den Bogenjäger wird in einem eigenen Beitrag auf bogenjagdpraxis.de thematisiert. Als Liebhaber eines möglichst großen Sehfelds, habe ich mich auf Vergrößerungen von 7- bzw. 8-fach konzentriert. Ich bitte um Verständnis, dass Zeitumfang und Testumgebung natürlich nur einen ersten Eindruck vermitteln konnten. Umfangreiche und professionelle Tests findet man reichlich im Netz. Allerdings auch viele unterschiedliche Meinungen. Deshalb empfehle ich, immer selbst zu testen.
Mein Universalglas Zeiss Victory 7x42 T* FL mit spitzenmäßigem 150m-Sehfeld gibt es leider nicht mehr. Nach 7-facher Vergrößerung habe ich bei Zeiss vergeblich gesucht. Die neuen HT-Ferngläser machten einen guten Eindruck. Der „Wow-Effekt“ blieb jedoch aus. Ein echter, technischer Vorsprung, abgesehen von den Laborwerten, ist bei Spitzengläsern ohnehin schwierig zu entdecken. Die Luft an der Spitze ist eben dünn und wirklich entscheidende Innovationen scheinen kaum noch machbar. In meinen Gesprächen mit einem Mitarbeiter aus dem Hause Swarovski im Herbst 2012, wurde ich sehr zurückhaltend auf die Möglichkeit einer Neuerscheinung im Kompaktbereich hingewiesen. Er wollte oder durfte noch Swaronichts Näheres verraten. Leider auch nicht den Zeitpunkt. Auf der Jagd&Hund 2013 konnte ich zumindest noch nichts Neues entdecken, das in diesen Rahmen gepasst hätte. Interessant ist vielleicht einmal der Größenvergleich im Bereich „Pirschglas 8x32“ zwischen dem Spitzenmodell Swarovision und dem deutlich preisgünstigerem CL Companion. Deutlicher als der Größen- und Preisunterschied ist allerdings die unterschiedliche Abbildungsleistung. An seinen großen Bruder kommt das CL Companion nicht mal im Ansatz heran. Auch der Komfort war nicht nach meinem Geschmack. Die Augenmuscheln hätten beim Herausschrauben noch eine Raste mehr gut gebrauchen können, um stets ein verschattungsfreies Bild zu liefern.

Auf der Suche nach einem preiswerten Einsteigerglas hat mir das Minox BL 8x33MinoxBL8x33 gut gefallen. Ein tolles Sehfeld von 140m und das gleichmäßig scharfe und helle Bild haben mich positiv überrascht. Auch wenn der Mitteltrieb für meinen Geschmack etwas zu leichtgängig war, ist dieses Glas definitiv ein Kandidat fürs Handschuhfach, denn nicht immer hat man stets seine beste Optik dabei.

LeicaUV7x42HDLeicas Ultravid HD wird auch noch in der von mir bevorzugten Variante 7x42 gebaut. Ganz klar reden wir hier von Spitzenoptik, jedoch hatte ich mich seinerzeit für das Pendant von Zeiss entschieden, weil Letzteres für mich ein helleres Bild liefert. Beim erneuten Testen hat sich dieser Eindruck wieder bestätigt. Mein eindeutiger Favorit seit wenigen Jahren ist das EDG8x42Nikon EDG. Ich besaß mit dem Nikon HG bereits dessen Vorgänger und war mehr als zufrieden. Auf einigen Internetseiten für Vogelbeobachter und Fernglas-Testberichten liegt das EDG nicht selten um Nuancen vor seinen Konkurrenten aus Europa. Jedes Mal, wenn ich das EDG in die Hand nehme, ringe ich mit der Entscheidung, mein Zeiss dadurch zu ersetzen. Ein knackscharfes, helles Bild bis in den äußersten Rand, eine subjektiv perfekte Haptik, Ergonomie und Gewichtsverteilung machen das Glasen einfach nur zur Freude. Logisch, dass sich diese Jagdoptik auch preislich nicht hinter europäischer Spitzenoptik verstecken muss.

Die Jagdveranstalter

Auf den Werbebannern der Jagdveranstalter sieht man seit einigen Jahren immer wieder erfolgreiche Bogenjäger abgebildet. Nach Aussage der Verantwortlichen wird dies zuweilen von einigen Messebesuchern kritisch kommentiert, aber es gibt auch positives Feedback. Umso höher ist meine Wertschätzung, wenn die Anbieter sodann trotzdem diese Fotos hängen lassen und sogar aufklärerisch tätig werden. Weiter so! Sachliche Aufklärung ist die beste Medizin gegen Vorurteile.
Gleich vorweg, ich war nicht an allen Messeständen der Jagdveranstalter und habe dort nach Bogenjagdmöglichkeiten gefragt. Mittelfristig wird auf bogenjagdpraxis.de ohnehin eine umfangreiche Linkliste erstellt und veröffentlicht. Diesbezüglich können uns die Anbieter gerne kontaktieren.
Da wir die hier gelisteten Jagdanbieter selbst noch nicht als jagende Kunden besucht und getestet haben, soll dies nicht als Empfehlung gewertet werden. Ebenso tritt bogenjagdpraxis.de nicht als Vermittler auf oder haftet für negative Erfahrungen. Interessenten können sich über die Webadressen selbst eingehender informieren oder den Veranstalter kontaktieren.


Namibia

okonduraIn Namibia ist die Begleitung eines Berufsjägers mit Bogenjagdlizenz gesetzlich vorgeschrieben. Diese hat noch nicht jeder Jagdanbieter. Oft erfährt man im Gespräch, dass die Jagdveranstalter oder deren Mitarbeiter selbst Bogenjäger sind. So auch auf dem Stand von Okondura Nord. Nicht weit von Wilhelmsdal, ca. 150km von Windhoek entfernt, kann dort mit Bogen und Büchse gewaidwerkt werden. Nähere Informationen unter www.okondura.com.

Auch auf Immenhof versteht man sich auf die Bogenjagd. ImmenhofWer dabei an den berühmten Ponyhof denkt, liegt aber falsch. Immenhof befindet sich ca. 60km nördlich von Omaruru auf dem halben Weg zwischen Windhoek und dem Etosha National Park. Kontakt und Infos unter www.immenhofhunting.com

 

Südafrika

SiluweGehen wir mal gleich „in die Vollen“. Siluwe Safaris bietet Pauschalangebote für über 50 Wildarten in Südafrika und Sambia an, ist aber vor allem auf die BIG 5 spezialisiert, die man unter anderem im Balule Game Reserve im Krüger National Park bejagen kann. Bezüglich Bogenjagd bekam ich von dem Jagdführer gleich die klare Ansage in afrikaans-gefärbtem Englisch: „Walk&Stalk only! Es ist eine spannende Sache mit Pfeil und Bogen einen Büffel aus 25 Metern zu strecken, aber ich hocke mich nicht 6 Stunden lang mit dem Kunden an ein Wasserloch. So etwas ist für mich keine Jagd.“
Ein eindeutiges Statement. Büffelpirschinteressierte wenden sich bitte an www.siluwehunting.co.za

Nicht weniger spannend dürfte sich die Bogenjagd bei Thandeka Safaris gestalten.ThandekaSafaris Neben umfangreichen Angeboten auf Plainsgame, ist man hier spezialisiert auf die Löwen-Pirsch in der Semi-Kalahari an der Grenze zu Botswana. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass weder mit Hunden, noch am Luder gejagt wird. Der Bogenjäger sollte also genug Nerven und Erfahrung mitbringen. Leider habe ich es total verschwitzt ein Bild vom Messestand zu machen, deshalb hier ein Foto von den aussagekräftigen Unterlagen. Näheres erfährt man auch in deutscher Sprache auf www.thandekasafaris.co.za

tallyhoSympathisch und kompetent wurde ich von Hendrick am Messestand der Tally-Ho Game Ranch beraten. Tally-Ho in der nördlichen Limpopo Provinz ist unter deutschen Bogenjägern ein Begriff und bisher habe ich nur Positives gehört. Der Besitzer Stuart Williams, selbst auch ein Bogenjäger, bietet auch spezielle Pakete für Bogenjäger zu bezahlbaren Preisen an. Informationen und Kontakt unter www.tallyho.co.za

 

 

Kanada

Dieser Messestand fiel auf. Fast sah man mehr erfolgreiche Bogen- bolenlewisals Gewehrjäger auf den Fotos. Der Jagdveranstalter Bolen Lewis Trophy Guiding Co. bietet Jagden in den Gebieten der Küsten-Berg-Region British Columbias an. Nach häufiger Meinung die schönste Region Kanadas. Durch den borealen Regenwald auf Schwarzbär bis hoch in Berge auf Schneeziege kann die Jagd nach Belieben gestaltet und geplant werden. Alle Jagdführer sind selbst auch erfahrene Bogenjäger. Klar, dass mein „Schwätzchen“ mit dem deutschstämmigen Jagdführer sich hier etwas in die Länge zog. Nähere Infos unter www.bolenlewis.com.

 

Jagdzeit

Jagdzeit02Auch wenn es noch kein Bogenjagdmagazin in deutscher Sprache gibt, so stellt seit 3 Jahren das Buchjournal „Jagdzeit“ eine echte Bereicherung in der Welt der deutschsprachigen Jagd-Printmedien daJagdzeitr. Alle 3 Monate, wenn eine neue Jagdzeit-Ausgabe meinen Briefkasten erreicht, wird die Familie erst einmal für ein paar Stunden aus meinem Arbeitszimmer ausgesperrt. Die Jagdberichte von kompetenter Seite und die Qualität der Fotos sind ein echter Genuss für jeden Jagd- und Naturfreund. Fast immer ist auch die Bogenjagd mit dabei. Heiko Schwartz als Herausgeber und Bernd Kamphuis als Redakteur haben wirklich etwas Besonderes auf die Beine gestellt. Wenn ich nicht schon 25 Jahre lang ein Jäger wäre, jetzt würde ich einer werden. Weitere Infos: www.jagdzeit.de

MG


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